90/304

Vom Arztdasein in Amerika – 16.01.2015

Illegale Latinos – die neuen Leibeigenen?

Es gibt Millionen über Millionen an illegalen Einwanderer aus Süd-, vor allem jedoch Zentral- und Nordamerika denn es kommen sehr viele Menschen aus Mexiko, aber auch Guatemala, Honduras und Ekuador in die USA und versuchen hier ihre Zukunft und ihr Zuhause aufzubauen. Meistens sind sie illegal über die Landgrenze zwischen Mexiko und den USA gekommen und leben so unauffällig sie können in den kleinen aber auch größeren Städten der Vereinigten Staaten.

Wer genau aufpasst, der sieht sie morgens zur Arbeit gehen und als Koch in den Restaurants, als Putzkraft in den Geschäften, als Handlanger und Handwerker auf den Baustellen oder als Landarbeiter auf den Bauernhöfen ihre Arbeit leise und unauffällig verrichten. Abends kehren sie müde in ihre kleinen und oftmals überbelegten Häuser zurück und nur an den Sonntagen scheinen sie sich eine Pause bei ihren Gängen zur Kirche oder ihren kleinen Feiern im Freien zu gönnen. Sie scheinen manchmal das eigentliche und arbeitende Rückgrat Amerikas zu sein.

Nun wird natürlich jeder einmal krank und so behandele ich fast täglich diese spanischsprechenden, hart Arbeitenden. Genauso unauffällig wie sie ihre Arbeit verrichten, ertragen sie oftmals ihr Leid und wollen dabei so schnell wie möglich wieder entlassen werden, um wieder zu ihrer Arbeit zurückzukehren. Besonders eindrucksvoll erinnere ich mich dabei an einen 28-jährigen mit Schlaganfall, der innerhalb weniger Stunden bei eintretender Besserung um Entlassung bat und wieder zu seinem Fließband in einer Fleischfabrik zurückkehrte.

Oder an einen 41-jährigen Alkoholkranken, der nach erfolgtem Alkoholentzug und nur kurzem Aufenthalt wieder auf seine Arbeitsstelle auf einem großen Bauernhof als Arbeitskraft zurückkehrte und während seines stationären Aufenthaltes weniger Angst vor dem Tod als den Verlust seiner Stelle hatte.

Ich habe viel Hochachtung vor diesen hart arbeitenden und zähen Latinos. Ohne sie würde vieles nicht so billig und verlässlich funktionieren, doch um welchen Preis? Manchmal komme ich nicht umhin in ihnen eine neue Form der Leibeigenschaft zu sehen.


Leserkommentare

L.A. am Montag, 19. Januar 2015, 15:22
Geburtenmangel hier - Geburtenüberschuss dort
Wie in den USA so in Europa. Und es kommen die dynamischen jungen Männer (nicht die Allerärmsten...). So entziehen wir den "Entwicklungsländern" die Potentiale, die diese selber dringend brauchen. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Bookmark-Service:
90/304
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs