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Gesundheit – 14.11.2014

Beschränktes Sehen: Augenärzte warnen vor Google Glass-Skotom

Noch ist nicht sicher, ob die vom Internet-Konzern angekündigte „Datenbrille“ Google Glass ein nützliches Hilfsmittel oder ein Hightech-Gimmick ist, das schon bald in der Schublade verschwinden wird. Der Einführungstermin wurde mehrmals verschoben und seit Mai sollen erst 1.500 Stück in den USA ausgeliefert worden sein.

Drei Prototypen konnten Augenärzte der Universität San Francisco testen. Ihr Fazit fällt nicht gerade rosig aus. Bei allen drei Testpersonen kam es zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) im oberen rechten Quadranten von mehr als 10 Prozent, die nach Ansicht von Tsontcho Ianchulev die Träger in ihrer Alltagsaktivität deutlich behindern würden. Dabei hatten die Träger die Brille noch nicht eimal angeschaltet, was die Aufmerksamkeit für Unfallrisiken in der Umgebung weiter erhöhen dürfte.

Auch die Analyse von 132 Fotos, die die Forscher im Internet gegoogelt hatten, lässt nichts gutes erwarten. Viele Personen gaben sich nicht mit den Google-Informationen im Rand des Gesichtsfelds zufrieden. Sie trugen die Google-Brille direkt auf der Pupillen­achse. Damit können sie zwar besser erkennen, was ihnen auf dem Minibildschirm mitgeteilt wird. Ob sie allerdings noch sicher durch die Straßen navigieren, ist fraglich.

Auch der Internetkonzern kann die Beschränkungen der menschlichen Anatomie nicht außer Kraft setzen. Die Retina hat nun einmal nur eine Stelle des scharfen Sehens. Solange Google die Datenbrille nicht mit einer Makula-Transplantation versieht, dürfte es schneller als die meisten denken zum Google-Glassbruch (oder Schlimmerem) kommen.


Leserkommentare

dr.med.thomas.g.schaetzler am Samstag, 15. November 2014, 14:20
Risiken und Nebenwirkungen von "Kommunikations-Devices"!
Es mehren sich Beobachtungen und Kasuistiken, dass die vom Internet-Konzern angekündigte „Datenbrille“ Google Glass ein weiteres "Kommunikations-Device" sein wird, welche Straßenverkehr- und Freizeit-Navigation erschweren, Trauma- und Unfallrisiken erhöhen und kommunikative Interaktionsfähigkeiten herabsetzen können. Mögliche Krankheitsrisiken und Seh-Ausfälle kommen ggf. hinzu.

Tragbare Kommunikationsgeräte, Musik- und Video-Abspielgeräte blockieren bei permanenter Anwendung Achtsamkeit, Adhärenz und Aufmerksamkeit gegenüber Alltagsgefahren Sie erhöhen Unfall- und Sturzrisiken und stellen bei totaler Ablenkung eine Blockade von externen Warnhinweisen für den/die Konsumenten/-innen dar.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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