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Gesundheit – 17.10.2014

Kann Ebola asymptomatisch verlaufen?

Angesichts der Bilder und Berichte über Ebola-Erkrankungen erscheint es kaum vorstellbar, dass eine Infektion mit dem Ebola-Virus ohne Krankheitserscheinungen verlaufen könnte. Doch genau dies legen aber zwei Studien zu früheren Epidemien nahe.  

Die Region Ogooué-Ivindo im Nordosten von Gabun wurde seit 1994 dreimal von einer Ebola-Epidemie heimgesucht. Ein Team um Robert Ryder von der Yale Universität hat später 979 Einwohner aus acht Dörfern untersucht: 14 Einwohner (1,4 Prozent) hatten in einem ELISA-Test Antikörper gegen Ebola-Viren im Blut. Nur vier (0,4 Prozent) von ihnen waren jedoch an Ebola erkrankt.

Dass die anderen sich an eine keine zehn Jahre zurückliegende Ebola-Erkrankung nicht mehr erinnern konnten, ist unwahrscheinlich. Häufige falsch-positive Ergebnisse scheiden bei dem verwendeten Test ebenfalls aus. Übersetzungsprobleme könnten die im Journal of Infectious Diseases (2005; 191 :964-68) publizierten Ergebnisse schon eher erklären.

Doch E.M. Leroy vom Centre International de Recherches Médicales in France­ville/Gabun kam vorher in einer Studie im Lancet (2000; 355: 2210-15) zu ähnlichen Ergebnissen. Das Team untersuchte 24 enge Kontakte von an Ebola erkrankten Personen, die selbst nicht erkrankt waren. Elf Personen hatten später IgM- und IgG-Antikörper im Blut. Sie beweisen, dass das Immunsystem der Personen mit dem Virus in Kontakt getreten war.

Steve Bellan von der Universität von Texas in Austin hält es in einem aktuellen Leserbrief zum Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61839-0) nicht für ausgeschlossen, dass auch in der derzeitigen Epidemie in Westafrika die Hälfte der Erkrankungen asymptomatisch verlaufen. Untersuchungen hierzu gibt es derzeit nicht. Sollte sich seine Vermutung bestätigen, könnte die Zahl der Erkrankungen am Ende geringer werden als bisher befürchtet.

Bellan sagt voraus, das sich in den nächsten Monaten eine Herdenimmunität heraus­bildet. Sie würde die Epidemie bremsen, weil ein steigender Anteil der Bevölkerung gegen eine Ansteckung gefeit ist. Laut Bellan könnten es im Januar statt der befürch­teten 140.000 Erkrankungen weniger als 100.000 werden. Ein hoher Anteil von Perso­nen mit einer frischen Immunität würde auch die Möglichkeit eröffnen, Patienten mit Ebola durch das Serum von Antikörper-positiven Überlebenden zu behandeln.

Angesichts der katastrophalen Lage, in dem sich Staat und Gesundheitswesen der Länder befinden, dürfte dies aber nur eine theoretische Möglichkeit bleiben. Ein Infektionsrisiko sollte von den asymptomatischen Patienten nicht ausgehen, da sie aller Voraussicht nach keine Viren ausscheiden. Leroy konnte bei keinem der untersuchten Personen Virus-Antigene im Blut nachweisen.



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