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Gesundheit – 13.10.2014

Ebola: Die Nervosität steigt

Nach Spanien hat jetzt auch die USA die erste im Land erworbene Ebola-Erkrankung. Wie es scheint wurde in beiden Fällen die Ansteckungsfähigkeit des Erregers unter­schätzt. Die spanische Krankenschwester erinnert sich, beim Ausziehen des Schutz­anzuges mit dem Latexhandschuh versehentlich das Gesicht berührt zu haben. Nach anderen Berichten sollen die verwendeten Schutzanzüge zu klein gewesen sein. Die US-Centers for Disease Control and Prevention hat bereits eingesehen, dass die Austeilung von schriftlichen Anwendungen zum Anlegen der Schutzkleidung nicht ausreicht. Für die nächsten Tage wurde eine intensivere Schulung angekündigt.

Auch die Gesundheitsbehörden anderer Länder werden sich jetzt fragen, ob sie aus­reichend auf importierte Erkrankungen vorbereitet sind. Angesichts der unvermindert steigenden Zahl von Erkrankungen in Guinea, Liberia und Sierra Leone steigt die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung nach Europa. Da die Patienten während der Inkubationszeit keine Symptome haben, bieten Fieberkontrollen an den Flughäfen keine Sicherheit.

Aufgrund des heftigen Verlaufs ist davon auszugehen, dass die Patienten, wenn sie symptomatisch werden, ohnehin ihre Mobilität verlieren. Der Worst-Case wäre die Einreise eines Infizierten während der Inkubationszeit, der folgende Ausbruch der Erkrankung in einer Gemeinschaft von „Sans papiers“, die ohne Krankenver­sicherungsschutz sind und deshalb keine medizinische Hilfe aufsuchen. Wenn dann Misstrauen gegenüber den Behörden oder die Angst vor einer Ausweisung hinzu kommt, könnte es schnell zu Erkrankungs-Clustern kommen. Der Aufwand, den Ausbruch zu beenden, dürfte dann erheblich sein.

Erstaunlicherweise sind aber die unmittelbaren Nachbarländer in Afrika bisher verschont geblieben. In Nigeria und dem Senegal konnte eine weitere Ausbreitung erfolgreich verhindert werden. Den USA und Spanien dürfte dies auch gelingen. Ein Grund für die fehlende Ausbreitung in Westafrika ist vermutlich die große Armut der Länder und insbesondere der Betroffenen. Die meisten (aber wie der Fall des US-Index-Patienten zeigt nicht alle) Infizierten haben nicht die finanziellen Ressourcen, das Land mit dem Flugzeug zu verlassen. Dass sie über Land Europa erreichen, ist aufgrund des Zeitaufwands unwahrscheinlich. Die Patienten würden erkranken, bevor sie das Mittelmeer erreichen.



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