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Gesundheit – 12.09.2014

Lungenkrebs macht heißen Atem

Krebszellen haben einen gesteigerten Stoffwechsel, der mit der vermehrten Bildung von Wärme einhergeht. Forscher der Universität in Foggia glauben, dass dieses Phänomen für die Diagnose von Krebserkrankungen genutzt werden könnte. Mit dem Atemthermo­meter (X-Halo von Delmedica Investments, Singapur) haben sie die Ausatemluft von 82 Patienten bestimmt, die zur Abklärung eines Lungenkrebsverdachts in der Klinik waren.

Bei den 40 Patienten, bei denen ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom diagnostiziert wurde, war die Atemtemperatur tatsächlich höher als bei den 42 Patienten, die nicht an Krebs erkrankt waren. Laut der Forschergruppe um Giovanna Elisiana Carpagnano gibt es einen „cut-off“-Wert, der eine klare Unterscheidung ermöglicht.

Ohne weiteren Studien vorgreifen zu wollen, scheint ein Screening des Lungenkrebses durch einen Atemtest doch sehr unwahrscheinlich (aber eine großartige Kostenersparnis gegenüber dem umstrittenen Spiral-CT). Lungentumore neigen bekanntlich sehr früh zur Metastasierung. Dass ein Primärtumor von der Größe einer Erbse genügend Wärme produziert, um die Temperatur der Ausatemluft messbar zu verändern, ist schwer vorstellbar.

Interessant wäre eine andere Anwendung. Laut Carpagnano ist auch bei Rauchern die Temperatur der Ausatemluft erhöht. Es gebe eine eindeutige Abhängigkeit zur Zahl der gerauchten Zigaretten, berichtet sie. Vielleicht könnte das Gerät ja eingesetzt werden, um die Compliance bei Rauchstopp zu prüfen. Auch die Hersteller von Smartphones, die derzeit bemüht sind, ihren Kunden einen Zusatznutzen durch Gesundheitsinformationen zu bieten, könnten die drahtlose Übermittlung nutzen, um ihre Geräte um eine weitere Anwendung zu erweitern. Ob diese sinnvoll ist oder nicht, bleibt natürlich dahingestellt.



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