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Gesundheit – 27.08.2014

Hypertoniker: Blutdruck-Selbst­management funktioniert besser

Jeder Typ 1-Diabetiker lernt heute die Insulin-Dosis seinen Bedürfnissen selbst anzupassen. Auch im Teenageralter bringen die Ärzte ihren Patienten ein hohes Maß von Vertrauen entgegen, obwohl das Blutzuckermanagement mit Insulinen kompliziert und nicht ohne Risiken ist. Schließlich kann eine Überdosierung schnell zum Tod führen.

Bei der arteriellen Hypertonie ist dies anders. Die Messung des Blutdruck ist einfach und schmerzfrei, die Einnahme der Medikamente ohne große Risiken. Eine Überdosierung ist kaum zu befürchten. Dennoch gibt es wenige Hypertoniker, die ihren Blutdruck in eigener Regie einstellen. Die meisten suchen, wenn sie compliant sind, ihren Arzt auf. Viele trauen nicht einmal den eigenen Messungen.

Dass es auch anders geht, zeigen die Ergebnisse der „Targets and Self-Management for the Control of Blood Pressure in Stroke and at Risk Groups“ oder TASMIN-SR-Studie. Das Team um Richard McManus von der Universität Oxford berichtet über 552 Hypertoniker, die bereits einen Endorganschaden wie Schlaganfall, koronare Herzkrankheit oder chronische Nierenerkrankung erlitten hatten oder bei denen ein Diabetes die Situation komplizierte.

Die Hälfte der Patienten wurde auf ein Blutdruck-Selbstmanagement randomisiert, die anderen ließen den Blutdruck vom Hautarzt einstellen. Das Selbstmanagement war einfach. In der ersten Woche jeden Monats sollten die Patienten morgens im Abstand von 5 Minuten zweimal den Blutdruck bestimmen. Den zweiten Wert sollten sie verwenden, um die Dosis der Medikamente anzupassen, deren Auswahl der Arzt vorgegeben hatte. Ihren Hausarzt sollten sie nur bei großen Ausschlägen der Blutdruckwerte kontaktieren.

Auf Anraten der British Hypertension Society wurden recht anspruchsvolle Zielwerte ausgegeben. Der systolische Blutdruck sollte nach Möglichkeit auf 120 mm Hg, der diastolische auf 75 mm Hg gesenkt werden. Diese Zielwerte erreichten die Patienten in beiden Gruppen zwar nicht. Doch mit 128,2/73,8 mm Hg kamen die Patienten im Selbstmanagement-Arm ihnen doch recht nahe.

Die Patienten, die den Blutdruck in der Praxis kontrollierten und die Medikamente vom Arzt titrieren ließen, hatten am Ende Werte von 137,8/76,3 mm Hg. Sie waren nach einer bereinigten Analyse von McManus um 9,2 und 3,4 mm Hg schlechter als bei den Patienten im Selbstmanagement-Arm. Dieser Unterschied ist keineswegs banal. McManus schätzt, dass die Patienten mit Selbstmanagement-Arm auf Dauer ein um 30 Prozent niedrigeres Schlaganfallrisiko haben.

Warum wird also das Selbstmanagement nicht stärker gefördert? Ein weiteres Ergebnisse der TASMIN-SR-Studie zeigt, dass die Vorbehalte nicht allein auf Seiten der Ärzte zu suchen sind. Von den für die Studie angesprochenen Patienten waren gerade einmal 8 Prozent zur Teilnahme bereit. Als häufigster Grund für eine Ablehnung wurde die Sorge um einen nicht optimalen Blutdruck genannt. Auch hier müssten zunächst Überzeugungsarbeit geleistet werden, wenn das Selbstmanagement erfolgreich sein soll.



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