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Gesundheit – 17.06.2014

Cop-Doc – New Yorker Polizei hat Naloxon im Streifenwagen

Ein zunehmende Zahl vom Opiatüberdosierungen in den USA – die Zahl der Drogentoten hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht – hat einige US-Gemeinden veranlasst, die Polizeistreifen mit dem Antidot Naloxon auszurüsten. Den Anfang machte die Kleinstadt Quincy südlich von Boston, wo seit Oktober alle Streifenwagen ein Nasenpray mit dem Opioid-Antagonisten mit sich führen. Danach setzte die New Yorker Polizei es in Stadtbezirk Staten Island ein. Demnächst sollen alle Einsatzwagen der Megalopole mit dem Antidot ausgerüstet werden.

Die Polizisten sollen es anwenden, wenn sie zu einem Drogenkonsumenten gerufen werden, der nur noch flach atmet. Die Anwendung gilt als sicher, da Naloxon kaum Nebenwirkungen hat und die versehentliche Anwendung bei Konsumenten anderer Drogen folgenlos bleibt. Ein Missbrauch ist bei dem Opiat-Antagonisten nicht zu befürchten. Die ersten Erfahrungen sind positiv. Einem Reporter der New York Times gegenüber rühmten die Polizisten die rasche Wirkung. Die halbtoten Konsumenten würden innerhalb weniger Minuten ihre Augen öffnen. Die Freude überlebt zu haben, wird allerdings rasch von den Schmerzen abgelöst, die ein akutes Entzugssymptom mit sich bringt.

Der Toxikologe Lewis Nelson warnt deshalb vor den Risiken des Naloxon-Einsatzes durch die Polizei. Neben der Angst, Wut und Aggressivität, die ein plötzlicher Entzug auslösen kann, könne es auch zu Erbrechen und Durchfällen kommen. Weitere Komplikationen sind ein starker Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz, die bei einzelnen Patienten epileptische Anfälle, Schlaganfall, Lungenödem oder den Tod auslösen könnten.

Die Polizei ist angehalten, die Patienten sofort ins nächste Krankenhaus zu transportieren, da die Wirkung von Naloxon rasch verfliegt. Nach ein bis zwei Stunden setzt die Wirkung der Opiate wieder ein und es droht eine erneute Atemdepression. Bisher ist es noch nicht zu Zwischenfällen gekommen.

Beobachter bringen den starken Anstieg der Überdosierungen mit der freizügigen Verordnung von Opiaten durch Ärzte in Verbindung. Die Opiate gelangten in großen Mengen auf den Schwarzmarkt, wo sie nicht selten eine Einstiegsdroge für den Heroinkonsum sind, der ebenfalls zugenommen hat.


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