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Vom Arztdasein in Amerika – 16.06.2014

Die vierwöchige Wartezeit

In den USA ist kürzlich der Skandal des militärischen Veteranensystemes der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden – ich habe das in meinem letzten Blogeintrag geschildert. In diesem Skandal geht es vor allem darum, daβ Angehörige der US-Streitkräfte bzw. Veteranen hiervon monate- und zum Teil jahrelang auf einen Termin bei verschiedenen Fachärzten warten mussten. Dabei war offiziell im Veteranensystem eine maximal auf vier Wochen ausgelegte Wartezeit als Ziel angegeben wurden. Diese ist durch Betrug und Verfälschen der wirklichen Wartezeiten oft manipuliert worden, und jetzt ist daraus ein nationaler Skandal geworden.

Eine Debatte zu einem ähnlichen Thema wird nun in Deutschland geführt – die Frankfurter Allgemeine Zeitung ermittelte z.B. kürzlich, dass vor allem für gesetzlich Versicherte, aber zum Teil auch für privat Versicherte, oft eine mehrmonatige Wartezeit auf fachärztliche Begutachtung und Behandlung in Deutschland besteht. Seit Monaten diskutiert die Politik daher über die gesetzliche Pflicht, dass Fachärzte innerhalb von vier Wochen Patienten einen Termin anbieten müssen oder sonst für die Behandlung an anderen Institutionen zu zahlen hat (http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/versichern-und-schuetzen/nachrichten/fachaerzte-im-test-kassenpatienten-muessen-lange-auf-einen-termin-warten-12978281.html).

Es ist aus meiner Sicht paradox, dass die Politik so kurzsichtig ist. In den USA ist gerade über diesen Sachverhalt ein riesiger Skandal entstanden, und es wird offenkundig, dass gesetzliche Pflichten und Regeln das Gesundheitswesen nicht unbedingt verbessern können, manchmal stattdessen sogar Betrug und Veruntreuung hervorrufen kann. Sollte die deutsche Politik in Deutschland eine gesetzliche Wartezeit einführen, so bin ich mir sicher, dass es wie im US-Veteranensystem ebenfalls in Deutschland zu Umgehungsversuchen kommen wird, die mittelfristig zu Skandalen führen. Auch wenn die Politik oft hehre Ziele verfolgt, so ist zu beklagen, wie kurzfristig sie doch manchmal im Gesundheitswesen handelt.


Leserkommentare

mslorenz am Donnerstag, 19. Juni 2014, 17:08
RE: Realitätsferne
@Poldii

Es ist aber auch realitätsfern eine 4-Wochenfrist in ein Gesetz schreiben zu wollen, ohne die nötigen Voraussetzungen zu berücksichtigen.

Warum ist es denn so, dass ich auch als Privatpatient oft genug abgewiesen werde, obwohl ich ja ein gut zahlender Kunde wäre.

...genau, weil die Kapazitäten einfach erschöpft sind - bei Kassenpatienten kommt hinzu, dass die Kollegen z.T. für Gottes Lohn arbeiten müssten, weil das Budget zudem auch längt überzogen ist. Aber anstatt an den Rahmenbedingungen etwa zu ändern, will man die Leute per Gesetz verpflichten. Ich bin gespannt, ob bzw. wie lange das haltbar ist.

Viele Grüße
Poldii am Dienstag, 17. Juni 2014, 10:32
Realitätsferne
Ich habe selten so einen Quatsch zur 4-Wochenfrist gelesen.
Was Sie hier sagen bedeutet, wenn man Ärzten Regeln verordnet, die nicht genehm sind, werden Ärzte immer Mittel und Wege finden diese Regeln zu umgehen. Ja wo leben wir denn? In einer Anarchie?
Im Übrigen ist es traurige Realität in Deutschland, dass Patienten ewig, auch sehr oft weit mehr als 4 Wochen auf einen Facharzttermin warten müssen. Auch mit einer Überweisung eines Hausarztes. An dieser Realtität ändert sich auch nichts, wenn es von der BÄK und KBV ständig abgestritten wird.
Jeder Arzt sollte doch wissen: Vor der Therapie eines Problems steht immer die richtige Diagnose! Wenn man aber die Diagnose nicht wahrhaben will oder davor die Augen verschließt, wird es nie zur richtigen Therapie kommen!

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