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Gesundheit – 12.05.2014

Elektrischer Traumfänger

Sie stürzen nachts mit dem Auto einen Abhang hinunter, wissen dass es ein Traum ist, können seinen Inhalt aber nicht beeinflussen? Menschen mit derartigen Albträumen kann möglicherweise bald geholfen werden. Ein leichter Wechselstrom auf bestimmte Stellen der Schädelkalotte könnte ausreichen, um der Traumwelt einen Neustart zu versetzen. Dies lassen die Ergebnisse vermuten, die die Schlafforscherin Ursula Voss von der Universität Frankfurt/Main jetzt in Nature Neuroscience vorgestellt hat.

Für ihre Experimente verbrachten 15 Frauen und 12 Männer zwischen 18 und 26 Jahren mehrere Nächte im Schlaflabor. Sie trugen dabei ein Kopfband, an dem Elektroden befestigt waren. Über diese konnten die Schlafforscher zum einen erkennen, wann die Probanden in einen REM-Schlaf (rapid eye movement) gefallen waren. An dieser Phase, etwa 2 Uhr nachts, applizierten die Forscher einen Wechselstrom von geringer Stärke im Stirn und Schläfenbereich, um den darunter liegenden frontotemporalen Cortex zu stimulieren.

Hier vermuteten sie den Entstehungsort der Träume. Tatsächlich ließen sich durch die Stromstöße lebhafte Traumerlebnisse induzieren, von denen die danach geweckten Personen berichteten. Die transkranielle Wechselstrom-Stimulation war allerdings nur bei zwei Frequenzen von 25 und 40 Hertz möglich. Bei anderen Versuchen mit zwei, sechs, zwölf, 60 und 100 Hertz ließ sich die Traumwelt nicht beeinflussen.

Als mögliche Anwendung schwebt Voss die Behandlung von Patienten mit häufigen Albtraumattacken vor, denen auf diese Weise angenehmere Traumerlebnisse verschafft werden könnten. Auch Schizophrenie-Patienten könne möglicherweise geholfen werden. Ob dies gelingt, lässt sich nicht vorhersagen. Da die Geräte zur transkraniellen Wechselstrom-Stimulation nicht sehr kostspielig sind, werden vermutlich bald kommerzielle Anbieter auf den Plan treten.

Voss meinte gegenüber der Presse, es sei unvermeidlich, dass derartige Geräte irgendwann für Verbraucher entwickelt würden. Bevor ihre Risiken und Nebenwirkungen nicht genau bekannt seien, sollte das Verfahren jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden, riet die Forscherin.


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