24/42

Das lange Warten – 25.04.2014

Entfernung der Paratschilddrüse

Kaum hatte Paul Behrend seine größere Zahnbehandlung überstanden, stand ihm ein weiterer Eingriff bevor. Bei einem Gespräch in seinem Transplantationszentrum „musste ich mich belehren lassen, dass meine aus dem Tritt geratenen Nebenschilddrüsen ein viel größeres Problem darstellten, weil sie den Kalzium- und Parathormonhaushalt völlig durcheinanderbringen“. Deshalb hat sich Behrend vor kurzem die Nebenschilddrüsen entfernen lassen. Das sei zwar keine „weltbewegende Operation“ gewesen, meint er, aber immerhin hätte die Gefahr einer Stimmbandverletzung bestanden, was dann zu langandauernder Heiserkeit oder sogar zu irreversiblen Schäden hätte führen können.

Doch glücklicherweise sei bei ihm alles gutgegangen, stellt Behrend erleichtert fest. „In der Klinik, in der man bei mir die Operation durchführte, hat der Operateur unter einem bildgebenden Verfahren sehen können, wo er besser nicht schneidet. Das hat bei mir gut funktioniert.“ Die Nebenschilddrüsen seien jetzt zur histologischen Untersuchung in ein Labor geschickt worden. Auf das Ergebnis wartet Behrend noch. Die Schilddrüse selbst sei völlig in Ordnung gewesen. Eine halbe Nebenschilddrüse hätten die Ärzte stehen lassen, damit sie das Parathormon, „wie bei einem gesunden Menschen und nicht so überbordend wie bei mir“ bilden könne.

Die entfernte Nebenschilddrüse sei eingefroren worden. Das findet Behrend „sensationell“. Denn falls die erhalten gebliebene Nebenschilddrüse verkümmern oder möglicherweise nach einer Transplantation nicht genügend Parathormon herstellen sollte, dann würde die entfernte Nebenschilddrüse wieder implantiert - und zwar im Muskelgewebe im Unterarm. „Und in der Regel kann sie dort dann ihre Tätigkeit wieder aufnehmen und das Hormon produzieren.“

Zurzeit muss sich Behrends Körper auf die neue Hormonsituation einstellen. „Mein Kalziumspiegel, der vorher viel zu hoch war, ist jetzt viel zu niedrig.“ Diesen zu niedrigen Kalziumspiegel könne er zwar gezielt durch Trinkampullen ausgleichen. Diese hätten jedoch „verheerende Nebenwirkungen auf Magen und Darm“. Behrend versucht es, mit Humor zu nehmen: „Ich habe unser Badezimmer gut kennen­gelernt.“ Deshalb nehme er die Trinkampullen nur noch in Notfallsituationen ein. „Notfallsituation heißt, man kriegt ein furchtbares Kribbeln in den Fingern. Dann sollte man in jedem Fall gleich eine Ampulle
nehmen, weil man ansonsten massive Krämpfe bekommt.“ Mitpatienten hätten berichtet, dass „man die Finger dann so stehen hat wie Vogelklauen“. So weit wollte Behrend es aber nicht kommen lassen. Inzwischen sei er auf Tabletten umgestellt worden, die ihm besser bekommen.

Jetzt hofft Behrend, dass sein Arzt Kontakt mit dem Transplantationszentrum aufnimmt und dass er dann bald wieder auf die Transplantationsliste kommt. „Sollte das nicht klappen, wäre ich ganz schön bedrückt“ , sagt er abschließend.


Bookmark-Service:
24/42
Das lange Warten
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika