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Gesundheit – 11.02.2014

Auto, Fernsehen, Computer. Besitz macht diabetisch

Auto, Fernsehen und zuletzt Computer haben dazu geführt, dass die Menschen in den reicheren Ländern die längste Zeit ihres Lebens im Sitzen verbringen. Sie haben den Energieverbrauch des Körpers weitestgehend auf den Grundumsatz gesenkt und schaffen es meistens nicht, die aufge­nommenen Kalorien auch zu verbrauchen. Die Folgen sind unübersehbar und durch die
steigenden Krankheitskosten auch ökonomisch spürbar. Die ärmeren Länder holen die Entwicklung derzeit nach, wie eine Auswertung der Prospective Urban Rural Epidemiology study (PURE) zeigt. Die Studie untersucht den Einfluss der Urbanisierung auf die Gesundheit. In den letzten Jahren wurden 153.996 Erwachsene aus 17 Ländern befragt. Die Bandbreite reichte von Ländern wie Schweden mit einem hohen Entwicklungsstand über Schwellenländer wie Brasilien oder das aufstrebende China bis hin zu Bangladesh am unteren Ende der ökonomischen Entwicklung.

Die Auswertung von Scott Lear von Providence Health Care, einem Health Care Provider aus Vancouver in Kanada, zeigt, dass mit der ökonomischen Entwicklung auch die Prävalenz von Adipositas und Typ 2-Diabetes in den Gesellschaften steigt. Der treibende Faktor ist dabei der Besitz von drei Gegenständen, die ein Leben im Sitzen ermöglichen: Auto, Fernsehen und Computer. In Gesellschaften, die keines der drei Dinge besitzen, sind 3,4 Prozent der Erwachsenen adipös. Der Besitz aller drei Dinge erhöhte die Rate auf 14,5 Prozent. Parallel steigt die Prävalenz des Typ 2-Diabetes von 4,7 auf 11,7 Prozent.

Am weitesten verbreitet ist das Fernsehen: In 78 Prozent der befragten Haushalte steht wenigstens ein Gerät, immerhin 32 Prozent aller Befragten besaßen bereits ein Auto. In den Städten sind die drei Gegenstände verbreiteter als auf dem Land. Deshalb werden die Menschen in den Städten zuerst dick. Der Grund ist der Bewegungsmangel: In den Ländern mit niedrigem Einkommen geht der Besitz der drei Geräte mit einem Rückgang der körperlichen Aktivität um 31 Prozent einher, die Sitzzeiten steigen um 21 Prozent und der Bauchumfang nimmt um 9 Zentimeter zu.

Individuelle Rezepte gegen den Bewegungsmangel der Bevölkerung haben die Adipositas-Epidemie bisher nicht aufgehalten. Die International Society for Physical Activity and Health (ISPAH) hält eine Umgestaltung der Städte für notwendig. Schulen benötigen mehr Sportplätze und Straßen breitere Fahrradwege. Außerdem müssen wohnortnah mehr Freizeitangebote geschaffen werden, die alle Altersgruppen in der Freizeit zu mehr Bewegung motivieren.


Leserkommentare

dr.med.thomas.g.schaetzler am Dienstag, 18. Februar 2014, 15:51
Auto, Fernsehen, Computer - bis der Arzt kommt?
Das erinnert doch sehr an die Publikation von Grøntved A, Frank BH: „Television viewing and risk of type 2 diabetes, cardiovascular disease, and all-cause mortality”, JAMA 2011;302(23):2448–2455. Dabei gilt doch eher n i c h t: "Viele Menschen glotzen sich krank und zu Tode". Sondern, wenn Menschen verhaltens- und krankheits- oder altersbedingt eine höhere Morbidität und Mortalität aufweisen, sehen sie mehr TV als ihre gesünderen und jüngeren Vergleichsgruppen, die eher noch mal vor die Tür kommen.

Nach einer vergleichbaren Analyse des australischen "AusDiab-Registers" aus dem Jahr 2011 soll sechs Stunden täglicher Fernsehkonsum das Leben im Mittel um fünf Jahre verkürzen (Br J Sports Med 2011, online 15. August). Unter Verwechslung von Wirkung und Ursache wurde die unsinnige Hypothese aufgestellt, dass "Fernsehkonsum von 6 Std. tgl." s e l b s t aktiv das Leben verkürzen könne. Die Fernsehdauer ist nur Indikator für krankheitsbedingte Mobilitätseinschränkungen, aber kein valider, kausaler Parameter für Morbidität und Mortalität. Unsere Patienten entwickeln einen Diabetes und sterben daran nicht, w e i l sie fernsehen, sondern w ä h r e n d der Fernseher läuft!

Auto, Fernsehen, Computer. Besitz sind reine Surrogat Parameter für Bewegungsarmut, Fehlernährung, Schwund von Muskel- und Knochenmasse, metabolischem Syndrom und Diabetes mellitus.


Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund



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