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Gesundheit – 21.01.2014

FFIT im FC: Wie Fußball-Clubs beim Abspecken helfen

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Auf dem Spielfeld treiben 22 athletische junge Männer den Ball zum Tor, am Spielfeldrand drängen sich ihre fettleibigen Fans, deren einzige sportliche Betätigung der (im Fußball vergleichsweise seltene) Torjubel ist. Für Sport und Gewichtsmanagement sind die zumeist männlichen Fussballfans in der Regel nicht zu begeistern. Diät und Fitnessstudio sind für viele eher weibliche Attribute. Doch ein Training in der Vereinsanlage, angeleitet durch Angestellte des Vereins, zur Belohnung kleine Geschenke mit den Vereinsinsignien. Das würde den einen oder anderen Fan doch schon reizen.

Eine Studie des britischen Medical Research Council zeigt jetzt, dass „Football Fans in Training (FFIT)“ sehr gewissenhaft und erfolgreich abnehmen können. Über 12 Wochen durften 274 adipöse schottische Fans in den Anlagen ihrer Mannschaft (13 Clubs aus der ersten Liga machten mit) an einem Diättraining teilnehmen. Das Programm war ganz auf die männlichen Fans zugeschnitten. Die Informationen knapp und nicht zu theoretisch, die Themen auf den Punkt gebracht (etwa die Rolle des Alkohols für die Gewichtszunahme), und die Ziele klar definiert.

Und immer blieb Zeit für ein persönliches Gespräch mit dem Trainer. Das passte. Obwohl das Programm nur 12 Termine à 90 Minuten im Wochenturnus umfasste, hatten die Teilnehmer doch schnell verstanden, wie sie ihr Gewicht in den Griff bekommen konnten. Am Ende des Lehrgangs hatten sie im Durchschnitt fast 5 Kilo abgenommen. Das Ergebnis kann sich im Vergleich zu anderen Diätstudien sehen lassen.

Noch erstaunlicher war, dass viele ihr neues Gewicht auch bei einer Nachuntersuchung nach 12 Monaten noch gehalten hatten: Vier von zehn Teilnehmern brachten 5 Prozent weniger auf die Waage. In einer gleich großen Vergleichsgruppe waren nur die üblichen Diätratgeber ausgehändigt worden. Die Wirkung war erwartungsgemäß gleich Null.

Erst durch den Bezug zum Verein ergab die Diät für die Fans einen Sinn. Das Team um Kate Hunt von der Universität Glasgow legt das Programm auch anderen europäischen Fußballnationen nahe. Gekostet hat es übrigens nichts. Oder besser gesagt: die Fans haben es bezahlt, ohne es merken. Sponsor für die ersten drei Jahre waren die „Football pools“, die schottische Toto-Fußballwette.


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