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Gesundheit – 17.01.2014

Google goes Diabetes

Der Internet-Konzern Google versteht es, sich in Szene zu setzen. Zuerst die Datenbrille Glass, dann eigenständig fahrende Autos, Roboter oder WLAN-Ballons, die die letzten weißen Flecken auf der Landkarte des Internet-Empfangs beseitigen sollen. Dem Labor Google X wird vieles zugetraut, was bisher als Science Fiction galt. Jetzt wurde eine Kontaktlinse angekündigt, die mittels eines miniaturi­sierten Sensors den Glukosegehalt der Tränenflüssigkeit misst und über einen Miniatur-Funkchip an ein Smartphone senden soll.

Auf den zweiten Blick sind die Google-Projekte keine Eigenerfindungen des Labors X. An einer Datenbrille haben bereits andere Firmen geforscht, Roboter gibt es in Japan bereits als Hunde. Und die Idee mit den Heißluftballons erscheint ein wenig kurios. Man hat fast den Eindruck, dass die Mitarbeiter in Google X den halben Tag mit Googeln verbringen und in der anderen Zeit Konzepte erstellen (die die PR-Abteilung gekonnt an die Medien streut).

Ob die Projekte zu einem sinnvollen Ende geführt werden können, bleibt abzuwarten. Die ersten Beta-Tester von Google Glass scheinen den größten Spaß am ungefragten Fotografieren und Filmen anderer Menschen zu haben (wenn sie nicht gerade Gefahr laufen, wegen Unachtsamkeit auf dem Bürgersteig zu verunglücken). Ob eigenständig fahrende Autos jemals zu mehr taugen als zu einer Einparkhilfe? Der Roboter-Hund Aibo soll die Besitzer schon nach wenigen Tagen langweilen, so dass sie die Akkus nicht wieder aufladen.

Auch die jetzt von Google vorgeschlagene Blutzuckermessung über die Tränenflüssigkeit ist nicht neu. Tatsächlich ist der Glukosegehalt der Tränen bei Diabetikern erhöht. Der Nachweis ist jedoch technisch schwierig, da die Flüssigkeitsmenge gering ist. An einer technischen Lösung arbeitet beispielsweise das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS (auf deren Pressmitteilung sicherlich auch das Google X-Team gestoßen ist). Die Ingenieure in Duisburg haben ein Diagnose­system miniaturisiert, das den Glukosespiegel auf der Basis einer Enzymreaktion misst (Glukose-Oxidase wandelt Glukose in Wasserstoffperoxid, dessen Konzentration ein Potentiostat bestimmt). Der für die niederländische Medizintechnik-Firma Noviosens entwickelte Glukosesensor kann die Information drahtlos übermitteln.

Nicht alles was technisch möglich ist, erweist sich als medizinisch sinnvoll. Die Gefahr, in klinischen Studien zu scheitern, ist hoch. So muss zunächst gezeigt werden, dass die Messgeräte in der Kontaktlinse auf die Dauer für die Cornea verträglich sind. Dann müssen die Messergebnisse valide Ergebnisse liefern. Die Ansprüche sind hier gerade beim Diabetes hoch. Es reicht nicht aus, dass die Google-Kontaklinse im Sekundenabstand Ergebnisse übermittelt. Sie müssen auch mit dem Blutzucker korrelieren, sonst meldet die Kontaktlinse am Ende die Hypoglykämie erst, wenn der Patient bereits im Koma liegt.


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