22/26

Praxistest – 17.01.2014

PJ plus Dr-Arbeit

Das Gegenteil vom PJ-Himmel habe ich heute erlebt: Ich kam heute erst um halb neun abends nach Hause. Ganz so spät hatte ich es eigentlich nicht geplant, aber vieles lässt sich eben nicht so leicht abschätzen. Es war wieder einmal einer dieser Tage, an denen ich nach dem üblichen Alltag im PJ noch etwas Zeit für meine Dr-Arbeit eingeplant hatte. Der Vormittag verlief ziemlich langsam, und ich war noch recht gut gelaunt, um noch alles für meine Versuche organisieren zu können. Derzeit bin ich noch außerhalb meines praktischen Jahres noch mit einer experimentellen Dr-Arbeit beschäftigt, was mich schon so manchen Abend gekostet hat.

Viele Medizinstudiernde machen ja inzwischen nur noch statistische Arbeiten und etwas Ehrgeizigere krönen ihre Laufbahn mit einer klinischen Arbeit. Alles hat seine Vorteile und Nachteile. Wer gerne telefoniert und Fragebögen auswertet, sollte klinisch arbeiten, dafür muss man sich allerdings mit den Probanden absprechen.

Erschwerend hinzu kommt, dass man gerne auch mal ein Gerät braucht, das im normalen Tagesablauf von der Klinik verwendet wird und erst am späten Nachmittag zur Verfügung steht. Die statistische Arbeit braucht viel Sitzfleisch, mehr gibt es dazu fast nicht zu sagen.

Fleißige Leute können ihre Daten in einem Monat vollständig aus der Computerdatenbank herausschreiben und auswerten. Das bewundere ich schon etwas, denn so einfach wie in der Medizin kann man wahrscheinlich in keinem Studienfach promovieren.

Ich habe mich trotz dieser Vorteile für eine experimentelle Arbeit entschieden. Das ist das, was sich die meisten Menschen unter Forschung vorstellen, und ich wollte für mich herausfinden, ob ich mir das für meine Kariere vorstellen kann.

Inzwischen bin ich schon mehr als zwei Jahre in meinem Projekt – und schon etwas neidisch auf die Kommilitonen, die sich mit einer statistischen Arbeit zufrieden gegeben haben und ohne großen Aufwand zu einem Ergebnis gekommen sind. Trotzdem halte ich es auch für eine wichtige Erfahrung, eine Aufgabe über einen längeren Zeitraum zu bearbeiten. Man bekommt zudem ein Gespür, was hinter der Forschung steckt.

Vor allem habe ich gelernt, dass vieles von einer guten Planung abhängt und dass man sich von Niederlagen nicht unterkriegen lassen darf. Frustrationstoleranz kommt da oft als Schlagwort und ich finde, es trifft das Problem ganz gut. Zum Glück gibt es in unserem Institut einige MTAs, die mir Mut zusprechen, und so manchen Professor kennen, der sich genauso oft umsonst mit seiner Forschung abgemüht hat und seine Ergebnisse am Ende dennoch publizieren konnte.

Solche Motivation habe ich auch öfters gebraucht, weil bei mir auch nicht alles von Anfang an geklappt hat. Und so bin ich auch heute an die Arbeit gegangen und sollte heute meine letzten Versuche vorbereiten. Erschwerend kam hinzu, dass ich sie nicht im gewohnten Gebäude machen konnte, weil mir eine Instanz zusätzliche Auflagen auferlegt hatten, und entgegen der Erwartung war es ausnahmsweise nicht der Dr-Vater.

Begeistert war ich natürlich nicht, aber ich hatte keine Wahl und musste mich in den neuen Räumlichkeiten zurechtfinden. Aber ich war ja recht gut gelaunt, also konnte ich damit leben. Ich war auch sehr froh, dass mir eine Laborantin vor Ort die notwendigen Geräte zeigte und erklärte. Mein Betreuer kam später auch noch vorbei, um mir etwas zu helfen. Das ist ja nicht gerade selbstverständlich, dass ein Betreuer seiner gedachten Funktion nachgeht. Er half mir sogar noch, aufzuräumen. Trotz des höheren Aufwandes einer experimentellen Dr-Arbeit macht das alles doch ab und zu Spaß.


Bookmark-Service:
22/26
Praxistest
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika