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Dr. werden ist nicht schwer... – 09.01.2014

Oberar...

Das angekündigte Gespräch mit dem leitenden Oberarzt (LOA) verlief noch schlechter als erwartet. Nicht nur, dass man keine Absichten hat, mich auszubilden. Es scheint so, als habe man überhaupt keine Absicht auszubilden. Ich betrat das Büro mit letzter Hoffnung und verließ es mit ziemlich großer Wut im Bauch.
Der LOA nahm nämlich eine einzelne unterlassene Leistung als Vorwand, zu behaupten, ich habe die Station nicht im Griff und müsse das erst lernen, bevor ich operativ ausgebildet werden könne. Den Zusammenhang konnte er mir aber nicht begründen. Ich müsse erst ein Jahr oder länger warten, bis sich etwas tun würde. Als ich ihn fragte, woher ich die Hoffnung auf Ausbildung nehmen soll, wenn ich mir ansehe, wieviel die anderen Assistenten lernen, sagte er mir, ich müsse vertrauen. Scheinbar, um mir zu zeigen, dass seine Abteilung auf Vertrauen basiert, sagte er mir noch, dass meine Kollegen ja diese und jene Schwächen hätten und dass man sie dennoch dort arbeiten ließe.
Das Gespräch bekam beinahe groteske Züge, in denen sich ein LOA, der tagtäglich vor dem Chef kuschen muss und sich vor den Assistenten siebengescheit präsentiert, selbst für seine Geschicke lobte und seinen Assistenten die Tauglichkeit absprach.
Auf der intensiven Suche nach dem geforderten Vertrauen,
Euer Anton Pulmonalis
P.S.: oben erwähnte unterlassene Leistung war die Verfehlung eines Kollegen (also nicht meine), der einen Patienten ohne Aufklärung aufgenommen hatte. Dies hatte zur Folge, dass der Chef tobte und den LOA und den Kollegen faltete. Dies sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. 


Leserkommentare

Wassmund71 am Montag, 31. März 2014, 16:33
Es gibt sie doch- Oberär...!!
@neoyone
Sehr geehtrter Herr leitender Oberarzt,
ob der Kollege Anton Pulmonalis recht hat oder bloße Larmoryanz zur Schau trägt, mag ich einmal dahingestellt sein lassen,denn dies liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters.
Auch ist Ihr Beitrag ja geradezu durchwirkt von moderner psychologischer Erkenntnis.
Dennoch kann ich mich in einem der Meinung des Kollegen Anton Pulmonalis nur anschließen-es gibt sie doch "Oberärsch..."
Scheinbar zieht dieser Job,zumindest an manchen Klinken,defizitäre Persönlichkeiten mit einem gewissen Hang zum psychopathlogischhem Verhalten
an.
Kleine Beispiele gefällig?
An einer thüringischen Universitätsklinik habe ich selbst erlebt,wie ein offensichtlich neurotisch affektinkontinenter Oberar..gegen einen Assistenzarzt handgreiflich wurde.
Vom rein menschlichen Standpunkt hätte ich sehr gut verstehen können ,wenn diesem Kerl eine ambulante Unterkieferrückverlagerung mittels Faust mit anschließender Verplattung und Zuhängung seiner Giftschnute zu Teil geworden wäre,doch leider sind viele Assistenten ,selbst wenn sie bis aufs Blut gequält werden, immer noch zu zahm.
Beispiel 2
In meiner chirurgischen Zeit während meiner Weiterbildung zum Allgemeinmediziner,habe ich es selbst erlebt,wie an einem Freitag um 15:00 ,als die chirugische Ambulanz förmlich überlief und der Dienstarzt nur noch gequält um Hilfe schrie,ein Jung-Oberarzt mit süffisantem Grinsen an der Ambulanz vorbeilief und sich lautstark ins Wochenende verabschiedete.-so viel zum Thema Schamgefühl,Anstand und kollegialem Verhalten.
Wenn dann hätte er sich gefälligst diskret verdrücken sollen und den arbeitenden Kollegen nicht geistig den Mittelfinger zeigen sollen.
Auch der dortige unfallchirurgische Oberarzt war keinen Deut besser-stinkfaul war der Kerl!
Seine BG-Sprechstunde ließ liebend gern die Assistenten machen und wenn er doch einmal als bestellter D-Arzt diese machen musste,ließ er seine Wut an den Assistenten raus,wenn diese ihm einmal 11(sic!) Patienten einbestellt hatten,die wegen komplexer BG-Fragen,auch dem dem D-Arzt vorgestellt werden sollten.
Da können Sie sagen was wollen, Herr Oberarzt,aber auch ich spreche solchen Leuten jegliche Kompetenz ab,den Posten eines Oberarztes auszufüllen(zum Glück habe ich auch genügend andere Alt-Oberärzte gehabt),denn für einen Oberarzt gnügt nicht eine einmal bestandenen mündliche Facharztprüfung,sondern ein grüttelt Maß an menschlicher Reife und Verantwortungsbewusstsein.
Was den Stationsdienst angeht ,habe ich es oft genug selber erlebt,daß eindeutige, vom Stationsarzt gegebene, schriftliche Anweisungen zur Behandlung eines multimorbiden Patienten mit einer Hospitalpneumonie,vom Pflegepersonal nicht umgesetzt worden sind,der Patient in Folge dann verstorben ist,dies aber dem Stationsarzt angelastet worden ist.
Voher nehmen Sie eigentlich Ihr Selbstbewusstsein andere zu verurteilen,ohne die genauen Umstände zu kennen?
Was die beklagte fehlende Facharztweiterbildung angeht,muß ich allerdings dem Kollegen Anton Pulmonalis in der Tat eine gewisse Beratungsresitenz attestieren,gibt es doch die Möglichkeit,in Form einer Nebenabrede zum Arbeitsvertrag,die Weiterbildung nach MWBO festschreiben zu lassen.Wenn dann die Klinik den Kandidaten nicht weiterbildet,dann ist dies in der Tat einklagbar.
Es gibt zwei große deutsche Medizinerverbände,die Ihren Mitgliedern Beratung bei der Abfassung eines entsprechenden Arbeitvertrages anbieten,damit man nicht irgendwelchen Bauernfängern auf den Leim geht,die nur Systemerhalter suchen.
Diese Zeiten sind vorbei und eine Klinik,die dies nicht zur Kenntnis nehmen will ,soll untergehen.
aerztin am Dienstag, 21. Januar 2014, 22:29
Oh je....
...genau so habe ich es bereits in den 90ern erlebt. Es hat sich wohl nichts geaendert. Dabei hatte ich mir schon ueberlegt, unter welchen Umstaenden ich evtl. wieder nach Deutschland zurueckkommen wuerde. Solange sich dieses Untertanen-System nicht aendert - NO WAY !
ares am Freitag, 17. Januar 2014, 19:10
Kollegiales System? Unholy shit
Unbedingte Leseempfehlung "Äskulaps zerbrochener Stab" von Klara Ostmüller. Der "Ausbildungsweg" einer Chirurgin, unter Pseudonym geschrieben. Die Entfernung eines Nävus (vulgo: Leberfleck) wird im Logbuch als Lebereingriff notiert...Enjoy...
neoyone am Donnerstag, 16. Januar 2014, 20:25
Tragisch...
...ihr Beitrag - und vor allem die "unvollendete" Überschrift - geben vollstes Zeugnis Ihrer persönlichen Unreife und mangelnden Introspektionsfähigkeit: Fehler machen NUR andere, Eigenlob Ihres Vorgesetzten stinkt (seine Qualifikation für die Position bleibt von Ihnen unberücksichtigt) und der LOA kriecht dem CA sowieso nur in den Enddarm... Woher verdammt nehmen Sie denn diese unverblümte Arroganz und was ist Ihre Qualifikation für höhere Funktionen, wenn Sie nicht einmal so banalen Dingen wie der Stationsarbeit fehlerfrei nachgehen können??? Wenn Sie derart über den Dingen stehen, dann helfen Sie doch mal eher Ihrem zitierten Kollegen, der nicht vergleichbar vollkommen ist ...

Ein LOA
popert am Freitag, 10. Januar 2014, 08:50
Totes Pferd
Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt:
"Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab."
Für Problemvermeider einige moderne Alternativen dazu:
http://baetzler.de/humor/dakota_weisheit.html

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