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Gesundheit – 21.11.2013

Nüsse-Esser leben gesünder

Mit der Weihnachtszeit beginnt in Deutschland die Nuss-Saison. Auf dem Adventsteller (sofern es ihn denn noch gibt) finden sich Walnüsse, Haselnüsse, Erd- und Paranüsse. Viele Menschen verzehren sie mit einem schlechten Gewissen. Nüsse haben aufgrund ihres hohen Fettgehalts in der Bevölkerung ein Image-Problem. Es stimmt: 100 Gramm können 600 Kilokalorien enthalten, was dem Energiegehalt einer Hauptmahlzeit entspricht. Nüsse sind deshalb Dickmacher. Dennoch wird der Verzehr von Ernährungswissenschaftlern empfohlen.

Denn die Fettsäuren in Nüssen sind überwiegend ungesättigt, und der Gehalt an Pflanzenfasern, Vitaminen, Spurenelementen ist hoch. Nüsse enthalten zudem phenolische Antioxidantien und Phytosterole, denen gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben werden. Tatsächlich konnte in Interventionsstudien gezeigt werden, dass Nüsse den Cholesterinwert senken, und in Beobachtungsstudien wurde eine Reduktion des koronaren Risikos ermittelt. In den USA dürfen die Hersteller seit 2003 sogar mit Genehmigung der FDA auf diese gesundheitlichen Vorteile hinweisen.

Eine aktuelle Auswertung der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study kommt jetzt sogar zu dem Ergebnis, dass der reichliche Verzehr von Nüssen das Sterberisiko senkt. Ying Bao von der Harvard Medical School in Boston ermittelte eine dosis-abhängige Wirkung: Je mehr Nüsse die Krankenschwestern und die männlichen Gesundheitsberufler verzehrten, desto länger lebten sie. Das Sterberisiko sank um bis zu 20 Prozent (bei sieben oder mehr Mahlzeiten mit Nüssen pro Woche). Neben einer verminderten Sterberate an kardiovaskulären Erkrankungen (minus 25 Prozent) und Herzerkrankungen im Speziellen (minus 29 Prozent), wurde eine verminderte Mortalität an Atemwegserkrankungen (minus 24 Prozent) und Krebserkrankungen (minus 11 Prozent) gefunden.

Diese Zahlen berücksichtigen bereits die Tatsache, dass die Nussliebhaber unter den Studienteil­nehmern sich auch in anderen Bereichen gesünder verhielten. Sie waren seltener Raucher, nahmen häufiger an Vorsorgeuntersuchungen teil, aßen tendenziell weniger rotes Fleisch (oder Fleischprodukte) und mehr Obst und Gemüse. Das Problem der prospektiven Beobachtungsstudien ist, dass sie eine gesunde Lebensweise immer nur in einzelnen Aspekten, aber niemals als Gesamtheit erfassen können.

So bleibt es denn möglich, dass die Reduktion der Sterblichkeit andere Ursachen haben könnte als die Nüsse. Die „International Tree Nut Council Nutrition Research and Education Foundation“, einer der Sponsoren der Studie, wird sich natürlich über die Ergebnisse der Studie freuen, deren Publikation passend zur Vorweihnachtszeit erfolgte. Der Rat der Ernährungswissenschaftler an die Verbraucher lautet weiterhin, dass sie mit gutem gewissen Nüsse verzehren dürfen. Sie sollten in der Vorweihnachtszeit aber auch auf eine ausgewogene Energiebilanz achten.


Leserkommentare

L.A. am Montag, 25. November 2013, 11:13
Nüsse enthalten ungesättigte Fettsäuren, aber...
...sind es mehr Omega-3 oder Omega-6-Fettsäuren bei den einzelnen Nussarten ?
Wirken sich die Nüsse demzufolge unterschiedlich auf das Sterberisiko aus?
Das ist ein Forschungsgebiet für die Zukunft. Und dazu brauchts wohl erst eine zuverlässige Blutspiegelbestimmung der Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren.


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