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Das lange Warten – 17.09.2013

Dialyse im Urlaub

Urlaubsvorbereitungen nehmen immer viel Zeit in Anspruch. Noch wesentlich intensiver muss eine Reise jedoch von Dialysepatienten geplant werden. Darüber berichtet Paul Behrend, der vor kurzem seinen Urlaub am Gardasee verbracht hat: „Das italienische Zentrum benötigte bereits acht Wochen vorher die Unterlagen zum Dialyseregime aus der Heimdialyse. Wenn sich zwischenzeitlich noch Werte, beispielsweise das Trockengewicht oder die Medikamentengabe, geändert hätten, hätte dies selbstverständlich auch mitgeteilt werden müssen.“

Außerdem habe er sich mit der Krankenkasse abstimmen müssen, berichtet Behrend. Die italienische Krankenkasse wollte die Dialyse zu einem sehr viel höheren Satz als die deutsche abrechnen. Die deutsche Kasse hätte sich aber nur in der Lage gesehen, ihren Satz zu zahlen, der Rest wäre Selbstbeteiligung gewesen. Nach „einigem Hin und Her“ hätte die italienische Krankenkasse dann aber doch die Bereitschaft signalisiert, auf der Basis der Krankenversicherungskarte abzurechnen. „Das war relativ aufregend für mich, weil ich ansonsten pro Dialyse 100 Euro hätte zuzahlen müssen. Das machen dann nach zwei Wochen mehr als 600 Euro.“ Letztendlich hätte Behrend deswegen nicht auf den Urlaub verzichten wollen, er wäre dann aber doch erleichtert gewesen, dass zur Selbstzahlung keine Notwendigkeit mehr bestand.

Dass seine Krankenkasse ihm sogar die Taxifahrten im Ausland bezahlen würde, fand Behrends Anerkennung. In einem Urlaub auf Mallorca hätte er jeweils 40 Kilometer Anreise zum Dialysezentrum gehabt, und selbst diese Kosten hätte die Krankenkasse klaglos übernommen. „Das waren pro Dialyse immerhin 80 bis 85 Euro.“

Darüber hinaus habe er sich auch über das medizinische Umfeld informieren müssen. Schließlich stellten sich Fragen wie: Was passiert bei einem Shuntverschluss oder einem massiven Kreislaufzusammenbruch? Am Gardasee hätte er in dieser Hinsicht weniger große Befürchtungen gehabt. Er sei aber einmal auf der Insel La Palma gewesen, auf der es kein Krankenhaus für größere internistische Probleme gebe. In einem solchen Fall hätte man ihn mit einem Flugzeug nach Teneriffa transportieren müssen. „Da würde ich heute schon drüber nachdenken“, meint Behrend. Damals hätte er immer gedacht: „Dialyse geht ganz einfach.“ Nach einigen Jahren Erfahrung mit der Blutwäsche wisse er aber, dass es auch schon mal Komplikationen geben könne. Bisher habe er aber im Urlaub meistens festgestellt, dass man dort gut versorgt wird. „Das war am Gardasee ganz hervorragend. Es war auch immer ein Arzt anwesend, der einen überaus kompetenten Eindruck machte.“

Und was muss man im Urlaub selbst beachten? Ein Problem bestand für Behrend in der guten italienischen Küche. „Wenn man etwas über die Stränge schlägt und abends eine Vor- und Nachspeise genießt, ist dies für Dialysepatienten nicht unproblematisch.“ Meistens seien aber gerade die Feriendialysen darauf gut vorbereitet. „Die wissen, dass man nach einem Wochenende etwas Gewicht zugelegt hat – jedenfalls wenn man so undiszipliniert ist wie ich. Und die bringen das dann in Ordnung.“

Eine weitere Herausforderung besteht für Behrend in der Trink-Schwitz-Balance. Er habe bei großer Sommerhitze immer den Eindruck, dass er zu viel trinke. „Man übersieht dann aber auch schnell, dass man viel geschwitzt hat. Bei mir führt das dann in der ersten Urlaubswoche oft dazu, dass ich zu wenig trinke, was dann unter anderem zu Kopfschmerzen führt.“ Um dies wieder auszugleichen, trinke man dann andererseits aber auch wieder zu viel. „Das ist für mich im Urlaub ein viel größeres Problem als zu Hause.“

Behrend Fazit fällt insgesamt durchaus positiv aus: „Wenn man ein gutes Dialysezentrum gefunden und die von mir beschriebenen Schwierigkeiten in den Griff bekommen hat, dann kann ich jedem einigermaßen fitten Dialysepatienten zur dazu raten, sich ab und zu mal einen Urlaub zu gönnen.“


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