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Gesundheit – 11.07.2013

Über 90-Jährige geistig immer fitter

Im Mai hat Yuichiro Miura den Mount Everest bestiegen. Bemerkenswert daran ist weniger, dass der Japaner bereits das dritte Mal auf dem Dach der Welt stand, sondern dass Miura inzwischen 80 Jahre alt ist und sich offenbar bester körperlicher und geistiger Gesundheit erfreut. Dass der Mann die gleiche Aufgabe in zehn Jahren noch einmal meistern wird, ist unwahrscheinlich, Miura könnte aber zu jenen Senioren gehören, denen man ihr Alter nicht anmerkt und die ohne große Einbußen auf die 100 zuschreiten.

Das schaffen auch in Mitteleuropa immer mehr Menschen, und die Befürchtung, dass die Bevölkerung vergreist und ein Großteil im Alter körperliche Gebrechen und geistiges Siechtum erwartet, scheint sich immer weniger zu bewahrheiten. Dies zeigt eine Untersuchung von Kaare Christensen vom Dänischen Institut für Altersforschung in Odense, der zweimal im Abstand von zwölf Jahren alle Einwohner der Jahrgänge 1905 und 1915 zu einem Interview eingeladen hat.

Die Mehrheit war zu einem Termin bereit, bei dem auch der Mini-Mental-Status-Test (MMSE) durchgeführt wurde. Obwohl der 1915er Jahrgang zum Untersuchungszeitpunt zwei Jahre älter war als der 1905er Jahrgang, schnitten sie besser ab: 23 Prozent erzielten den Maximalwert von 28 bis 30 Punkten im MMSE gegenüber 13 Prozent in der früheren Kohorte. Der Anteil der Dementen war von 22 auf 17 Prozent zurückgegangen. Christensen führt dies auf den gestiegenen Lebensstandard und die vermehrten intellektuellen Anreize zurück, die es älteren Menschen erlauben, sich geistig fit zu halten.

Der körperliche Zustand der dänischen Senioren hatte sich nicht verbessert (aber auch nicht verschlechtert, wie man angesichts der Zunahme von Übergewicht, Diabetes und anderen Zivilisationskrankheiten hätte befürchten können). Muskelstärke und Koordination sind gleich geblieben.

Doch insgesamt kam der Jahrgang 1915 im Alltag besser zurecht. Dies könnte einmal am Erhalt der geistigen Fähigkeit liegen oder auch an den besseren technischen Hilfsmitteln. Ein Sinnbild hierfür sind die Senioren, die (wenn auch meistens noch keine 90) am Berghang mit ihrem E-Bike den Mountainbiker überholen.


Leserkommentare

H.-D. Falkenberg am Freitag, 12. Juli 2013, 10:13
Über 90-jährige geistig immer fitter.
Das ist je mal eine erfreuliche Nachricht. Dementsprechend sollten nun auch die Prognosen für den Bedarf an Einrichtungen der Altenpflege angepasst werden.
Zwar regelt der Markt durch Angebot und Nachfrage sich selbst, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Angebote die Nachfrage regeln. Fantasie ist gefordert, Alternativen sind notwendig (z.B. ambulant betreute Wohngemeinschaften u.ä.).

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