34/42

Das lange Warten – 07.08.2013

Der Beginn der Hämodialyse

Ein dreiviertel Jahr, nachdem Paul Behrend mit der Dialyse begonnen hatte, musste er von der Peritoneal- auf die Hämodialyse umstellen. „Es hatte sich gezeigt, dass die Bauchfelldialyse für mich nicht das Richtige ist. Die Zystennieren führen zu einer derartigen Vergrößerung der Nieren, dass für zwei Liter Flüssigkeit nicht mehr genügend Platz ist.“ Deshalb musste der Katheter entfernt werden. Überraschend stellte sich heraus, dass Behrend jetzt eine Zeitlang ohne Dialyse auskam.

„Mit Einverständnis meiner Nephrologin habe ich mir eine dreimonatige Auszeit gegönnt.“ Die ersten beiden Monate habe er sich „stark und unbesiegbar“ gefühlt. Doch dann ging es ihm immer schlechter. „Das Weihnachtsfest, nach dem ich wieder mit der Dialyse beginnen wollte, verlief leider ganz anders, als ich es mir erhofft hatte. Ich konnte nicht mehr essen, Essensgerüche waren mir sogar unerträglich. Das lag an dem starken Anstieg meiner Harnstoffwerte, mein Körper war erheblich vergiftet“.

Den für die Hämodialyse erforderlichen Shunt hatte sich Behrend bereits im Oktober 2007 anlegen lassen. Im Januar 2008 begann er dann mit der Hämodialyse. „Ein Vorteil war dabei für mich, dass ich das Personal in dem Dialysezentrum bereits kannte. Da war zum Beispiel meine Pflegerin von der Bauchfelldialyse, die sich rührend um mich kümmerte und mir meine Ängste nahm“.

Zu Beginn seiner ersten Dialyse sei es ihm „sehr, sehr schlecht“ gegangen, und bereits nach drei Stunden habe er gemerkt, „dass es mir deutlich besser ging, dass die Dialyse also wirklich sinnvoll war“. Nach einer Woche sei er dann schon ganz gut mit der Hämodialyse zurecht gekommen, berichtet Behrend. „Die Punktiererei im Arm war allerdings schmerzhaft. Inzwischen, nach sieben Jahren Dialyse, ist der Arm derart zerstochen, dass ich es gar nicht mehr merke.“

Aber Behrend räumt auch heute noch ein, dass seine Ängste vor der Dialyse ganz massiv gewesen seien. Daran hätten auch gute Vorabinformationen nichts geändert. „Die Angst vor der massiven Änderung meiner Lebensumstände konnte mir selbst die beste Information nicht nehmen“. Was ihm geholfen habe, sei letztendlich die „tolle Betreuung“ gewesen, die er in seinem Dialysezentrum erhalten habe. „Das ist wirklich beeindruckend, wie sich da um jeden Patienten von Anfang an gekümmert wird“. Auch mit seiner Familie habe er lange und intensive Gespräche geführt. Doch rückblickend kann Behrend sagen: „Es ist alles gut geworden“. Vor sieben Jahren hätte er sich nicht vorstellen können, sein Berufsleben so unbeeinträchtigt fortführen zu können, sagt er nicht ohne Stolz.


Bookmark-Service:
34/42
Das lange Warten
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika