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Dr. McCoy – 28.06.2013

Nutzen? Nutzen. Nutzen!

Ach ja. Der GKV-Spitzenverband. Nutzen fordert er ein vom Projekt elektronische Gesundheitskarte. Und er weiß auch gleich, warum der Nutzen nicht kommt: Die Ärzte sind schuld. Und jetzt sollen endlich Zwangsmaßnahmen her.

Das Schlimme ist nur, dass die Kassen nichts, offenbar aber auch gar nichts begriffen haben von diesem Projekt. Denn was ist der Nutzen einer Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen? Der Online-Versichertenstammdatenabgleich in der Arztpraxis? Das soll der Nutzen sein? Aus diesem Projekt? Aus einem Projekt, das inzwischen wahrscheinlich schon über eine Milliarde Euro gekostet hat?!

Nein Herr Lanz! Eine Telematikinfrastruktur soll Nutzen für die Patienten bringen! Und zwar vor allem medizinischen Nutzen! Und dazu gehört zu allererst, dass das Projekt elektronische Gesundheitskarte Nutzen in der täglichen Arbeit für genau diejenigen generiert, die jeden Tag mehrere Millionen Patienten versorgen. Nämlich Nutzen für die Ärztinnen und Ärzte und alle anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen. 

Und genau den, genau diesen Nutzen, den Nutzen der Ärzte scheinen die Krankenkassen reflexhaft zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Wer jemals in den letzten zehn Jahren in diesem Projekt mit den Kassen an einem Tisch gesessen hat, der konnte genau das immer wieder spüren: Nutzen für die Ärzte? Kommt gar nicht infrage – sollen sie es doch selber zahlen, wenn sie davon Nutzen haben!

Und genau diese Haltung ist es, die dieses Projekt jetzt schon zehn Jahre andauern lässt. Bis heute scheint man im Hause Pfeiffer nicht begreifen zu können, dass Nutzen für die Patienten nur dann entstehen kann, wenn auch Nutzen für die Ärzte entsteht.  

Nur dann, wenn die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland den Eindruck bekommen können, dass endlich Projektbestandteile umgesetzt werden, die ihnen nützlich bei der täglichen Arbeit sind, wird eine Telematikinfrastruktur entstehen, die am Ende medizinischen Nutzen für die Patientinnen und Patienten bringt. Und dann wird es völlig egal sein, ob Freiwilligkeit herrscht. Die Ärztinnen und Ärzte werden eine nützliche Infrastruktur einfach – nutzen.

Solange aber der GKV-Spitzenverband nichts anders im Sinn hat, als vor allem erst mal seinen – ich wiederhole es nochmal – Online-Versichertenstammdatenabgleich durchzusetzen und dafür nun auch noch Zwangsmaßnahmen zu fordern, solange wird sich gar nichts bewegen. Ärztetage und Vertreterversammlungen der Kassenärzte werden immer wieder gegen das Projekt stimmen. Und denjenigen, die fortgesetzt gegen die „e-Card“ polemisieren – ohne auch nur irgendeine ernsthafte Alternative zu präsentieren – wird es nur allzu leicht gemacht.

Und schließlich werden selbst die Gutwilligsten in der Ärzteschaft dieses Projekt nicht mehr länger verteidigen können oder wollen.


Leserkommentare

Marry-Poppins am Mittwoch, 26. Februar 2014, 11:18
Haarsträubend
Ich staune immer wieder, wie sehr sämtliche Verordnungen angezogen werden. Dem Arzt und seinem Team werden zunehmend der Alltag unnötig verkompliziert (z.B.Patientenrechtegesetz). Viele Neuerungen sind dauerhaft nicht praktikabel!!! Das Tätigkeitsfeld des Arztes ist klar definiert und darf nicht permanent durch mäßig sinnvolle, neue verwalterische Aufgaben gestört werden.
Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass ein Arzt heutzutage mehr falsch als richtig machen kann und immer mehr in die "Bittstellerfunktion" gerät. Das darf und kann so nicht weitergehen. Wir sprechen bei Ärzten von hochqualifizierten Akademikern, die sich Ihrer Verantwortung durchaus bewusst sind, durch das juristische Erschweren, werden immer mehr Ärzte Abstand von dem Ziel nehmen, sich eines Tages niederzulassen. Das erlebe ich im meiner Tätigkeit immer häufiger und bedaure das zutiefst. Ich denke, dass der Mechanismus, Ärzte immer mehr, an kompliziertere Verfahren und schärfere Gesetzesentwürfe zu binden, dauerhaft nicht aufgehen wird.

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