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Dr. werden ist nicht schwer... – 21.05.2013

Blondinen bevorzugt?

Anfangs wunderte ich mich lediglich. Mittlerweile ärgere ich mich nur noch über die Ungleichbehandlung der Assistenten in meiner (gar nicht mehr allzu) neuen Klinik. Dies liegt vor allem an zwei Personen: Einer Assistentin (im ersten Ausbildungsjahr) und einem Oberarzt. Obgleich die junge Kollegin im Gegensatz zu den verbliebenen Assistenten mehr als regelmäßig im OP-Programm berücksichtigt wird, beschwert sie sich bei jeder Gelegenheit über die Arbeitsbelastungen zum Beispiel durch Dienste, obwohl sie nicht mal annähernd die meisten schultert.  

Die offensichtliche Bevorzugung bei der operativen Ausbildung gipfelte darin, dass Assistenten mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung der Kollegin als Zweitassistenten bei Eingriffen assistieren durften, die sie selbst noch nie selbst durchgeführt hatten. Bei einer dieser Gelegenheiten konnte ich mich darüber verge­wissern, dass es nicht am Geschick der Kollegin liegt, dass sie häufiger als alle operieren darf. Denn hierfür
zeichnet sich ein Oberarzt verantwortlich. Er umgeht sogar interne Regelungen, um der Berufsanfängerin mehr Eingriffe zukommen zu lassen. Jeglicher Protest der benachteiligten Assistentenriege an höhere Hierarchieebenen verlief bisher sogar im Ansatz erfolglos. Gegenargumente (wie etwa besondere Kompetenz), warum gerade diese Kollegin derart gefördert wird, haben wir aber auch nicht
entgegnet bekommen.  

Kann sich nicht vorstellen, dass die blonden Haare und das (scheinbar?) unsichere Lächeln der Kollegin keinen Einfluss auf die OP-Vergabe haben,

Euer Anton Pulmonalis


Leserkommentare

kueltigin am Mittwoch, 28. August 2013, 20:01
@Loewenherz
Dem kann man nichts mehr hinzufügen.
imhierundjetzt am Montag, 3. Juni 2013, 19:46
Die "Blondine" ist nicht schuld
Warum ist die Assistenzärztin schuld, wenn Vorgesetzte so in ihren Rollenbildern stecken, dass sie sich durch blonde Haare beeindrucken lassen?
Positive Diskriminierung, auch in der Sexismus-/Gleichstellungsdebatte ein Thema, und nicht erwünscht. Daher kann ich den Ärger verstehen: jedoch sollte man genauer über die Auslöser und Schuldigen nachdenken.
Hinzuweisen ist außerdem auf genau das Negativbeispiel: Frauen müssen Sprüche ertragen, sich anfassen lassen, mit Vorgesetzten Essen gehen oder oder. Ansonsten drohen Mobbing, Missachtung oder Ungleichberechtigung.

Was das ganze deutlich macht: Die Gleichstellung von Frau und Mann ist noch längst nicht umgesetzt!
Loewenherz am Sonntag, 2. Juni 2013, 17:59
Diskriminierung / Bevorzugung
Auch aus meiner Erfahrung nicht unüblich, dass eine Bevorteilung der weiblichen Kolleginnen passiert.
Sie bekommen auf Arbeit (in nunmehr der 3. weiterbildenden Klinik meiner FA WB) mehr "Spielraum", mehr Zuspruch von Chef- und Oberärzten, mehr Visitenzeit und mehr und vor allem bereitwilliger "nochmal etwas gezeigt", was sich durchaus auch auf Notwendige Untersuchungen und zeitnahe Einarbeitung in WB-relevante Strukturen angeht.
Im großen und ganzen konnte ich das auch schon im Studium erleben: "stellen sie sich nicht so an" bekam mein Kollege, der mit einem Punkt durchgefallen war zu hören. 10 Minuten später die Mitstudentin mit gleichem Problem vom gleichen Prof: "ach Mensch, sie arme". Überflüssig zu erwähnen, dass ihre Note nach ausreichendem Tränenfluss um einen Punkt nach oben korrigiert wurde.
Das gleiche mit dem Angeben von Belastungsgrenzen - "mir wirds zuviel, das kann ich so nicht mehr leisten" führt bei unseren weiblichen Mitarbeiterinnen sehr viel früher zu entlastenden Maßnahmen von oben als bei den männlichen Kollegen (und auch zu deutlich weniger verbaler Abwertung).
Dafür wird man als Mann oftmals für kompetenter gehalten (von Patienten und Vorgesetzten), - auch nicht schön.
Insgesamt nervts mich aber gewaltig, dass diese Form der unterschiedlichen Behandlung (so zumindst meine Erfahrung) im guten alten Deutschland eher von untergeordnetem Interesse in der Sexismus / Gleichstellungsdebatte ist.
Andreas Skrziepietz am Dienstag, 28. Mai 2013, 21:49
Vielleicht ist er nicht sein Typ
kann man ja nicht wissen.
Brech am Dienstag, 28. Mai 2013, 10:40
Blondinen bevorzugt
Ja, dann geh doch selber mit ihm ins Bettt, aber das willst du wohl auch nicht, oder?

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