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Gesundheit – 21.02.2013

Kleider machen Ärzte

Mediziner mögen nicht mehr die Halbgötter in Weiß sein, die Signalwirkung ihrer Kleidung sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Besonders wichtig kann ein guter erster Eindruck auf der Intensivstation sein, denn hier begegnen sich Ärzte, Patienten und Angehörige oft nur für einen kurzen Zeitraum, in dem aber häufig wichtige Entscheidungen zu treffen sind – nach Möglichkeit gemeinsam mit Patient oder Angehörigen. Treten Ärzte hier in gewöhnlicher Kleidung auf, müssen sie damit rechnen, für inkompetent angesehen zu werden. Dies zeigt die Umfrage, die Selena Au von der Universität Calgary bei Angehörigen von Intensivpatienten durchführte.  

Den Teilnehmern wurden Fotos von 8 männlichen und weiblichen Models aus vier unterschiedlichen ethnischen Gruppen (weiß, schwarz, indianisch und asiatisch) vorgelegt. Die vermeintlichen Ärzte waren entweder im weißen Kittel, in OP-Kleidung („scrubs“), im Anzug oder in Straßenkleidung („casual“) abgebildet. Gefragt nach ihrem Eindruck wurden die Weißkittel mit Abstand (52 Prozent) als die besten Mediziner eingestuft, gefolgt von den Ärzte in „scrubs“ (24 Prozent). Mediziner in Anzug (13 Prozent) oder Straßenkleidung (11 Prozent) machten deutlich weniger Eindruck. Weißkittel wurden als klüger und ehrlicher eingestuft. Zusammen mit den „Scrubs“-Trägern wurden sie als kompetent und fürsorglich eingestuft.  

Die weiteren Antworten zeigen, dass oft Kleinigkeiten entscheiden. Sichtbare Tattoos oder Piercings kommen bei den kanadischen Patienten und ihren Angehörigen nicht gut an. Natürlich sollte man Ärzten nicht vorschreiben, welchen Körperschmuck sie tragen dürfen. Ein guter erster Eindruck kann jedoch viel Zeit und Überzeugungsarbeit sparen, auch oder gerade auf der Intensivstation. Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen in Notsituationen, in denen sie sich auf Intensivstation immer befinden, eher zu einer konservativen Weltsicht neigen.


Leserkommentare

Andreas Skrziepietz am Sonntag, 24. Februar 2013, 20:06
(sie rangieren inzwischen sogar noch hinter den Lehrern)
Kann ich mir nicht vorstellen. Das Ökolehrer-Niveau kann meiner Ansicht nach nicht unterschritten werden.
dr.k.h.tiedemann am Samstag, 23. Februar 2013, 13:43
Kleider machen Ärzte
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Korrekte Kleidung hat inzwischen deutlich mehr an Bedeutung gewonnen als z.B. vor 10 Jahren. Wenn Sie ein Statement in einer Zeitung mit Bild abgeben oder als Chefarzt neben dem Landrat abgebildet werden, dann bitte in modischem Anzug mit passendem Hemd und ggf.mit Kravatte. Letzere sollte exakt gebunden werden und nicht kurz wie ein Lätzchen imponieren. Das immer noch gut erscheinende (vielleicht gar karierte) alte Sakko (Ärzte tragen alltags zumeist weiße Arbeitskleidung was die Privatkleidung schont) sollte nicht verwendet werden. Dann ist immer noch der weiße Kittel mit weißem Hemd günstiger, was bei bleicher Haut und weißen Haaren auf einem Bild allerdings kränklich bleich wirken kann.
Bei Kolleginnen ist die Variationsbreite größer. Allerdings eigen sich dunkle Farben mit klaren Konturen bei Bildern für die Zeitung am besten um einen positiven Eindruck zu hinterlassen.
Das ganze mag vielen als lächerlich erscheinen, ist es aber nicht! Ärzte verlieren in der Gesellschaft zunehmend an Reputation. Dies sollte nicht durch ungünstige Kleidung forciert werden.
Übrigens: Ärzte gelten inzwischen als die am schlampigsten angezogenen Akademiker (sie rangieren inzwischen sogar noch hinter den Lehrern)
Also nächstes freies Wochenende mal shoppen gehen. (kurbelt ja auch die Wirtschaft an)
Euer Carolus

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