159/298

Vom Arztdasein in Amerika – 28.02.2013

US-Gesundheitsreform 2013 – Teil III

Es vergeht kein Tag an dem im Gesundheitsbereich nicht von der Umstellung auf eine qualitäts­orientierte medizinische Versorgung gesprochen wird. Einer der Hauptantriebsfaktoren ist hierbei der
Wunsch, die massive Kostensteigerung im US-Gesundheitsbereich einzuschränken: Während im Jahr 1980 knapp 9% des Bruttoinlandsproduktes für Gesundheitsleistungen ausgegeben wurden, lag dieser
Wert im Jahr 2009 bei 17,4% (Roehr B: “Rise in US spending on healthcare in
2009 was twice that in UK”, BMJ 344: e3274, http://www.bmj.com/content/344/bmj.e3274?view=long&pmid=22573654).

Als Folge dieser Entwicklung soll das Gesundheitssystem nun effizienter und damit kostenbewusster werden. Eine der vielen Veränderungen, die durch das „Bezahlbare Krankenversicherungs­gesetz”
(BKG) implentiert wurden, ist die Einführung von Qualitätskriterien, nach denen Krankenhäuser sanktioniert werden sollen, wenn sie zu den schlechteren in den USA gehören.

Seit 2012 erhält nun jeder Patient einen HCAHPS-Fragenbogen mit 27 Fragen zugesandt. (Für einen Probefragebogen auf englisch siehe http://www.hcahpsonline.org/Files/1HCAHPS%20V7%200%20Appendix%20A%20-%20HCAHPS%20STANDARD%20Mail%20Survey%20Materials%20(English)%20March%202012.pdf). Dieser enthält neben Fragen zum Geschlecht, Gesundheits- und Ausbildungsstand, zur Ethnie und Muttersprache des Patienten 22 Fragen, die den Kranken­hausaufenthalt betreffen: Fragen zur Kommunikation zwischen dem Patienten und dem Pflege- und Arztpersonal, der Sauberkeit des Krankenhauses, der Qualität des Pflegepersonals und des ärztlichen Personals, sowie der Behandlung im allgemeinen.

Mehrere der Fragen sollen der Verständnis halber wiedergeben werden. Dabei sind die von der Regierung gemachten Unterstreichungen bei der Übersetzung beibehalten worden:

Frage 2: Wie oft hat das Pflegepersonal während Ihres Krankenhausaufenthaltes genau zugehört?

Frage 4: Wie oft haben Sie nach Drücken der Pflegeklingel Hilfe bekommen, als Sie sie brauchten?

Frage 7: Wie oft haben Ihnen Ärzte Sachverhalte so erklärt, dass Sie sie verstanden haben?

Frage 8: Wie oft waren das Bade- und Patientenzimmer sauber während Ihres Krankenhausaufenthaltes?

Frage 13: Wie oft war Ihre Schmerzbehandlung sehr gut eingestellt?

Frage 17: Ehe Sie neue Medikation erhielten, wie oft wurden Ihnen potenzielle Nebenwirkungen erläutert?

Frage 20: Haben Sie schriftliche Informationen über Warnsymptome erhalten, auf die Sie nach Ihrer Entlassungnach Ihrer Entlassung zu achten haben?

Aus allen Antworten wird eine sogenannte HCAHPS-Punktzahl errechnet (maximal 80 Punkte), und diese trägt zu einem maβgeblichen Teil zur Bewertung des Krankenhauses bei. Mit diesen Punkten werden die Krankenhäuser dann national eingestuft. Liegt ein Krankenhaus im unteren Fünftel in diesen Ranglisten, werden alle Zahlungen seitens der staatlichen Krankenversicherungen im Jahr 2013 um 1%, im Jahr 2014 um 1,25%, im Jahr 2015 um 1,5%, im Jahr 2016 um 1,75% und bis 2017 um 2% gekürzt. Dadurch erhofft sich die US-Bundesregierung eine deutliche Senkung der Gesundheitskosten und eine Qualitätssteigerung.


Bookmark-Service:
159/298
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs