161/296

Vom Arztdasein in Amerika – 07.02.2013

Medicaid schmackhaft machen

Es gibt eine staatlich bezahlte Krankenversicherung in den USA – Medicare für die US-Senioren jenseits der 65 Lebensjahre und den behinderten US-Amerikanern und Medicaid für die armen US-Amerikaner, unabhängig von ihrem Alter. Das ist mittlerweile einem Groβteil meiner Blog-Leser bekannt. Hierbei sollte erwähnt werden, dass Medicare-Patienten von fast jedem Arzt in den USA angenommen werden, Medicaid-Patienten aber aufgrund der deutlich schlechteren Vergütung des Medicaid-Systems, die oft bei nur 30% der Medicare-Sätze liegt, nur von einer Minderheit der Ärzte. Somit gibt es längere Wartezeiten für Medicaid-Patienten. Viele haben gar keinen Hausarzt und werden durch die Notaufnahmen und die staatlich subventionierten ambulanten Kliniken versorgt.

Das Gesetz „Bezahlbare Krankenversorgung” („ACA”), auch bekannt als „Obamacare”, versucht nun auf kluge, beinahe schon listige Art und Weise Medicaid-Patienten eine hausärztliche Versorgung zukommen zu lassen: Sie erhöht die Medicaid-Vergütung in den Jahren 2013 und 2014 auf das Niveau der Medicare-Vergütung und lässt offen, ob im Jahr 2015 die Vergütungen wieder auf das 2012-Niveau abgesenkt wird oder auf einem höheren Niveau belassen wird. Die Hoffnung ist seitens der Politik ist, dass viele Hausärzte Medicaid-Patienten in ihre Praxis aufnehmen und sie dann unabhängig von der im Jahr 2015 bestehenden Vergütungssituaion weiterhin in ihrer Praxis behalten und versorgen. Bisher haben viele Hausärzte dieses Angebot noch nicht angenommen, aber das Jahr ist noch jung.


Leserkommentare

petrulus am Montag, 11. Februar 2013, 03:35
Erlaeuterung
Lieber normalerdoktor,
Ich werde eine Serie zum "Bezahlbares Krankenversicherungsgesetz" (BKG, bzw. "Obamacare") schreiben und die Reform in groben Zuegen erlaeutern. Sie ist einschneidend aus Sicht der US-Gesellschaft, natuerlich an vorderer Front der Aerzte. Sie sorgt bei wenigen fuer Elation, bei vielen fuer Frustration, etwas was ich hoffentlich durch meine noch kommenden Beitraege nahebringen werde.
Ich fasse weiterhin Ihren Kommentar gerne auf und will versuchen in einigen Wochen, nach eingehender Recherche meinerseits, das Thema Medicaid nochmals aufzugreifen.
normalerdoktor am Freitag, 8. Februar 2013, 23:12
Leider noch nicht klar
Der von "stoeckhert" als Replik auf Ihren vorherigen Beitrag geäußerten Bitte um zusätzliche Erläuterungen kann ich mich nur anschließen.

Wenn ich den oben stehenden Beitrag richtig verstehe, wird durch "Obamacare" die den Ärzten zugute kommende Vergütung aus der Behandlung von Medicaid-Patienten auf das Niveau von Medicare angehoben. Letztere scheint ja für US-amerikanische Ärzte kostendeckendes Arbeiten zu ermöglichen oder zumindest so akzeptabel zu sein, dass sie solche Patienten annehmen.

Die Erstattung aus Medicaid lag Ihrem Beitrag zufolge bislang oft nur bei 30% von Medicare - jetzt wird sie an diese angeglichen. Heißt also mehr als verdreifacht. Oder?

Ist dies die "listige Art und Weise Medicaid-Patienten eine hausärztliche Versorgung zukommen zu lassen", wie Sie schreiben? Oder besteht die eigentliche List darin, unklar zu lassen, ob 2015 wieder eine Absenkung um 2/3 erfolgen wird?

Und was heißt das dann für die Ärzte, die 2013 und 2014 solche Patienten behandelt haben? Haben Sie sie in 2015 weiter "an der Backe"?

Und ist das alles der Grund dafür, dass Ärzte - so wie in Ihrem vorherigen Beitrag beschrieben - sich zur Ruhe setzen oder Immobilienmakler oder Rechtsanwälte werden oder für Ärzte ohne Grenzen ins Ausland gehen wollen?

Für zusätzliche Erläuterungen wäre dankbar ein

Normalerdoktor (aus D)

Bookmark-Service:
161/296
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs