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Britain-Brain-Blog – 01.02.2013

Parken fürs Warten

Es gibt da so einen Verdachtsmoment. Bei der Einfahrt in eines der hiesigen Krankenhäuser wird schon auf dem Parkpreisschild ein Einheitspreis für die ersten drei Stunden verkündet (ca. 3,90 €). Danach steigt der Preis graduell. Kürzer parken für weniger Geld kann man nicht. Und das hat seinen Grund, wie ich vermute: die Wartezeiten. Mittlerweile kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass selbst mit Termin Sitzfleisch gefordert wird. Nicht selten mehrstündig.

Den Einheitspreis für die ersten Stunden halte ich daher für Berechnung, um den Unmut des Patienten nicht noch weiter zu strapazieren, indem er in jeder Warteminute die Münzen für das Parken mitrechnet. Dabei herrscht eigentlich große Motivation, die Wartezeit gering zu halten.

Zumindest für die Notaufnahmen des Landes wurde schon vor Jahren offiziell eine 4-Stunden-Wartezeit-Grenze als nationales Ziel festgelegt. Gründe für die Zeitüberschreitung sind zahlreich und die üblichen Verdächtigen: Mangelndes Personal, mangelnde Betten, verspätete Entlassungen, Verzögerungen, wenn Spezialisten hinzugezogen werden müssen, oder die Diagnostik sich verlängert.

Für die große Mehrheit der Patienten lässt sich das Ziel der 4-Stunden-Grenze einhalten, jedoch sitzt der drohende „Breach“ immer allen im Nacken, was auch ich zu spüren bekomme, wenn ein psychiatrisches Konsil angefordert wird. Mit dem „Breach“ ist die Zeitüberschreitung gemeint, die dann in der Gesamtheit auch Konsequenzen für Krankenhaus und Personal haben könnte.

Dies hat zu Skandalen geführt, unter denen die Patientenversorgung gelitten hat („Staffordshire“) oder Daten wie der Entlassungszeitpunkt manipuliert wurden („Nottingham“). So betrachtet warten die meisten Patienten dann doch lieber, obwohl das Thema des Sinns oder Unsinns einer vier Stunden Grenze in der Diskussion bleibt. Der Pauschalpreis für das Parkticket lohnt sich jedenfalls meist.


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