285/551

Gesundheit – 08.01.2013

Originalpräparate: Warum Ärzte dem Patientenwunsch nachgeben

­

Der Einfluss von Pharmareferenten auf die Ärzte ist subtiler als die meisten Mediziner sich eingestehen würden. Getarnt als Berater, die die Ärzte über die verschriebenen Medikament auf dem Laufenden halten, verfolgen die Besucher der Industrie vornehmlich das Ziel, die Ärzte von der Verordnung der hauseigenen Medikamente zu überzeugen. Ein williger Assistent des Pharmaberaters ist dabei der Patient, der schnell den vermeintlichen Unterschied zwischen Markenpräparat und Generikum mitbekommt (und gar nicht ahnt, dass Original und Generikum oft vom gleichen Hersteller sind, und die Wirkstoffe nicht nur identisch sind, sondern mittlerweile in Indien oder China in der gleichen Firma hergestellt werden).

Viele Ärzte haben damit zu kämpfen, dass Patienten die Verschreibung von Originalpräparaten verlangen. Und die Bereitschaft diesem Wunsch nachzugeben, wird durch die Besuch des Pharmareferenten gefördert, wie eine Studie aus den USA zeigt. Das Team um Eric Campbell vom Mongan Institute for Health Policy in Boston hatte Ärzte aus den verschiedenen Fachdisziplinen befragt, ob sie gelegentlich Originalpräparate verschreiben, nur weil der Patient dies verlange. Zwei Drittel meinte, dass sie standhaft bleiben, ein Drittel neigte hin und wieder zur permissiven Verordnung. Dieser Versuchung gaben nun Ärzte, die Pharmaberater empfangen und auch Geschenke von ihnen entgegennehmen, häufiger nach also solche, die Besuche der Pharma­referenten ablehnten.

Es wäre jedoch zu einfach, das Problem einfach auf die freundlichen, aber eigennützigen Vertreter der Pharmaindustrie zu reduzieren. In der Studie waren noch weitere Faktoren mit einer Permissivität assoziiert. Dazu gehörten das Alter der Ärzte, mit zunehmender Berufserfahrung werden Ärzte den Wünschen der Patienten gegenüber geneigter. Auch Ärzte, die allein oder zu zweit in einer Praxis arbeiten, wurden (nach eigener Auskunft) häufiger schwach.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor war überraschenderweise die Fortbildung: Ärzte, die medizinische Fachzeitschriften lesen, einen höheren Medienkonsum haben oder neutrale Fortbildungsveranstaltungen besuchen, zeigten häufiger Verständnis für den Wunsch ihrer Patienten. Hier zeigt sich, dass Informiertheit nicht unbedingt mit einem kritischen Bewusstsein gleichgesetzt werden kann.


Leserkommentare

Thelber am Dienstag, 8. Januar 2013, 21:28
Na so etwas aber auch !!
Das sind doch seit langem mehr oder weniger seit langem bereits bekannte Bindsenweisheiten ...

Einfachste Begründung: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Unternehmen in kapitalistischen Systemen Pharmareferenten ohne Nutzen für sich selbst einstellen und für teures Geld über Jahre hin finanzieren ....

Bookmark-Service:
285/551
Gesundheit
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika