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Vom Arztdasein in Amerika – 13.12.2012

Gehaltsniveau der Krankenpflege

Um das US-Gesundheitssystem und seine hohen Kosten zu verstehen, muss unter anderem auch das Gehaltssystem der dort arbeitenden Fachkräfte verstanden werden. Ein US-Facharzt verdient im Regelfall ein Minimum an 150.000 US-Dollar pro Jahr, meist deutlich darüber. Das mag aus europäischer Sicht viel erscheinen, vor allem weil europäische Gehälter oft als mickrig aus US-Perspektive wirken. Sie müssen aber in Relation zum Gehaltsniveau einer Krankenschwester und anderer Pflegekräfte betrachtet werden. Zu bedenken ist auch die Ausbildungsdauer und –intensität, sowie die von der jeweiligen Fachkraft getragene Verantwortung.

In durchschnittlichen Krankenhäusern betreut ein Arzt etwa zwischen 20 bis 40 Patienten, eine Krankenschwester hingegen zwischen einem und sechs Patienten und eine Pflegeassistenz zwischen einem und vier Patienten, stations- und fachabhängig. Ein Pflegeassistent (CNA, certified nursing assistant) verdient meist zwischen 2000 monatlich, also 25.000 jährlich. Ein Pflegeassistent ist für das Waschen des Patienten, das Wechseln der Bettwäsche, die Vitalparameter, das Versorgen pflegeintensiven Patienten und anderer wichtiger basaler Pflegefunktionen zuständig und arbeitet regulär zwischen 35 und 40 Wochenstunden. Um ein Pflegeassistent zu werden, muss man meistens weder einen Universitäts- noch Schulabschluβ besitzen. Das absolute Minimum an Ausbildung ist die Teilnahme an einem sechswöchigen Kurs, der vor allem praktisch orientiert ist. Vgl. http://business.riverviewchamber.com/HotDeals/Info/hillsborough-community-college-corporate-continuing-education-certified-nursing-assistant-05-02-2012

Die Krankenschwester (RN, registered nurse) benötigt hingegen einen Universitätabschluss. Neben dem zwölfjährigen Schulbesuch muss also mindestens ein zweijähriges Minidiplom (associates) – heutzutage meistens ein vierjähriges Hauptdiplom (bachelor) – erworben werden. Vgl. http://www.hccfl.edu/departments/health-science/nursing.aspx. Die Krankenschwestern sind zuständig für die Koordinierung der Pflege, das Legen von Magensonden und Dauerkathetern, Blutentnahmen und IV-Zugänge, die Koordinierung der Medikamentengabe mit Arzt und Apotheker, das Verabreichen der Medikation und Therapie, die Generalüberwachung des Patientenstatus, Kommunikation mit allen Fachkräften, die am Patienten tätig sind (neben Arzt z.B. Respirationstherapeut, Physiotherapeut, Apotheker, Pflegeassistenz, Ultraschalltechniker usw.) und die Vermittlung der Therapie, Diagnostik und Genesungserfolg zum Patienten und Familie. Es ist also eine wichtige Funktion.

Entsprechend werden die Krankenschwestern auch gut bezahlt: Ihr Anfangsgehalt liegt bei knapp 75.000 pro Jahr, regional und interdisziplinär unterschiedlich. Da Krankenschwestern meistens 36 Wochenstunden arbeiten, also drei 12-Stundenschichten pro Woche, haben sie oft freie Zeit, um Extraschichten zu machen und ihr Gehalt dadurch aufzustocken. Ein Überblick über ihre Gehälter im oberen Spektrum gibt folgende Seite: http://scrubsmag.com/top-ten-highest-paying-nursing-specialties/.


Leserkommentare

gammon am Donnerstag, 27. Dezember 2012, 07:22
Vergleich
Zum Vergleich der Gehälter sollte zum einen nicht der Wechselkurs, sondern die (lokale) Kaufkraft und zum anderen die lokalen Lebenshaltungskosten, Schulkosten und - ganz wichtig - Rücklagenbildung/Rente, die u.a. alle nicht unerheblich von anderen Ländern abweichen können, herangezogen werden. Und, wie ein Vor-poster schrieb, auch die Ausbildungskosten.

Ich habe hier in den USA den Eindruck nicht nur für meine Anwesenheit und verrichtete Arbeit bezahlt zu werden, wie ich das in Deutschland erfuhr, sondern auch dafür was ich kann, wenn es darauf ankommt. Als Anästhesist wird das durchaus des öfteren abverlangt.

Zu den Pflegern: zumindest in privaten Häusern sind die in etwa so wie Stationsärzte in D. Vieles kann man von zu Hause aus per Telephon erledigen, ganz so, als ob man als OA mit dem Assi Dinge abklärt.
Meine eigenen Erfahrungen in chirurgischen Intensivstationen an einer Uni in einer sehr großen Stadt in den USA übertrafen alles was ich in D erlebt habe. U.a. wurde ich nachts nur geweckt, wenn absolut nötig und niemals gab es da haarige Situationen.
Insofern sind die allemal ihr Geld wert... und niemals musste ich Blut abnehmen oder zu irgendeiner Zeit Infusionen anhängen.
Natürlich gibt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch von allem das Gegenteil... ich hatte wohl bisher viel Glück.

Guten Rutsch!
minima am Freitag, 21. Dezember 2012, 17:36
Kosten des Medizinstudiums in den USA
Ergänzend der Hinweis, dass in den USA ein Medizinstudium jährlich eine fünfstellige Summe kostet. Oder anders formuliert: ein angehender Arzt investiert sehr viel Geld in seine Ausbildung, auch deshalb sind die Gehälter entsprechend höher.
Mathilda am Montag, 17. Dezember 2012, 17:17
Nicht kopieren, aber davon lernen:
Eine Krankenschwester/ein Krankenpfleger muss sicher keinen Universitätsabschluss mit Diplom haben. Obwohl hier von 2-4-jährigem Diplom gesprochen wird, nicht von einem 5-6-jährigem Hochschulstudium, wie in Deutschland üblich. Allerdings ist die deutliche Abgrenzung zu den rein pflegerischen Tätigkeiten zu begrüßen - und eine ebenso deutliche Abgrenzung in Theorie (Ausbildung) und Praxis (tasächliche Umsetzung im Krankenhaus) wäre für Deutschland durchaus sinnvoll. Schade, dass bei dieser ständigen Diskussion um Studium oder Ausbildungsberuf nicht mal einfach in die Vergangenheit geschaut wird, speziell in die ostdeutsche: hier gab es für verschiedene medizinische und pädagogische Berufe, die eine eher theorieorientierte Ausbildung erfordern, den Fachschulabschluss. Krankenschwestern, Krippenerzieherinnen, Kindergärtnerinnen besuchten nach dem Schulabschluss (10. Klasse, warum aber nicht auch Abitur?) für 3 Jahre eine Fachschule. Das Ganze nannte sich ebenfalls Studium, ndete aber ohne Diplom.
L.A. am Freitag, 14. Dezember 2012, 11:03
Ohne Universitätsabschluss ist man nur "Hilfsarbeiter" ?
Entweder Studium mit Abschluss- oder sonst bleibt nur eine Anlerntätigkeit ? Eine Alternative dazu gibt es anscheinend in den USA und anderen Ländern nicht.
Da bin ich doch froh um unsere Berufsschulen, Meisterschulen, Technikerschulen, Berufsakademien. Von der Akademisierung aller möglichen Berufe halte ich nichts !
Von den Akademiker-Quoten anderer Länder sollten wir uns nicht beeindrucken lassen !

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