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Britain-Brain-Blog – 30.11.2012

Wie es zum „Brain Drain“ nach „Great Britain“ kam

Vorstellungsgespräch? Assessment Center käme der Beschreibung des Auswahltages für den Job eines Psychiatrie Trainees in England wohl näher. Nach knapp 2 Jahren Erfahrung als Assistenzärztin in der deutschen Psychiatrie und Neurologie zog es mich ins Ausland. Eindeutig nicht, weil ich die Arbeits­bedingungen in Deutschland so schlecht fand (obwohl auch ich das eine oder andere sicher gern verbessert sähe), sondern weil ich meinen Horizont erweitern und ein Abenteuer erleben wollte.

Auslandsaufenthalte während des Medizinstudiums sind ja mittlerweile eher Standard als die Ausnahme. So hatte es mich für eine Famulatur nach London gezogen, die ich in bester Erinnerung behalten hatte. Wegen der Briten, des famosen „Teachings“ und der leckeren Sandwiches (am wenigsten überzeugend war wohl das Wetter). Nun entschloss ich mich, der „English Experience“ eine zweite Chance zu geben.

Tatsächlich, so stellte sich schnell heraus, war eher die Frage, ob mir England überhaupt noch eine Chance geben würde. Wenn die Bewerbung für die Famulatur damals ein Papierkampf war, handelte es sich nun um einen Papierkrieg. Aber auf die Bürokratie werde ich sicherlich später in diesem Blog noch einmal eingehen.

Nachdem ich sämtliche bürokratischen Hürden überwunden hatte, stand ich aber da, an einem Morgen in einem Fußballstadion im Norden Englands, um im übertragenen Sinne ein Tor zu schießen – eine Zusage zu bekommen. In den VIP-Logen des Stadions gab es offenbar genug Platz, um eine Horde Akademiker zu beherbergen, so dass sich die „Deanery“ (mein zukünftiger Arbeitgeber als regionale Untereinheit des NHS) für das Auswahlverfahren dort eingemietet hatte. Über vier Stationen schwitzte ich dort: a) bei einem Auswahlgespräch, b) bei der Behandlung eines Schauspiel-Patienten, c) beim Schreiben eines Aufsatzes und d) beim Vorführen meines Portfolios (auf welches ich beim nächsten Mal näher eingehen werde).

Nun, es hat geklappt, und hier bin ich: als angehende Psychiaterin im Norden Englands mit der Absicht, meine Erfahrungen als „Lady Doctor“ mit Ihnen zu teilen. „German Lady Doctor“ tauften mich meine ersten Patienten und das blieb irgendwie hängen. Ein Auswandern für immer ist dies mit Sicherheit nicht, aber ich bin der festen Überzeugung, dass von Grenzgängern auch die Gesundheitssysteme, in denen sie arbeiten profitieren. Im Sinne eines Austausches freue ich mich daher auch über jegliche Anmerkungen oder Kommentare von Ihrer Seite.


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