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Dr. werden ist nicht schwer... – 17.10.2012

Gesundheitssystem bestraft Kostenbewusstsein

Nachdem ich mich in meinem letzten Beitrag über das sorglose Fehlverhalten von Patienten in der Notaufnahme ausgelassen hatte, muss ich sie heute für eine andere Art von unerwünschtem Handeln in Schutz nehmen. Es geht hierbei um das leidige Thema des Transports in die Klinik und zurück.

Immer wieder passiert es nämlich, dass wir den Kopf darüber schütteln, dass sich ein Patient per Rettungswagen in die Klinik einliefern lässt, auch wenn er es wahrscheinlich sogar – überspitzt gesagt – mit dem Fahrrad geschafft hätte. Das Taxi sei die vertretbar günstige Variante. Die verursachten Kosten kämen wirtschaftlich gesehen in der Summe einer Katastrophe nahe und überhaupt, wo bleibt eigentlich das Kostenbewusstsein der Patienten… So weit, so richtig.

Aber was blüht dem Patienten, der ein Taxi besteigen will? Er hat Kosten. Zunächst muss er den fälligen Fahrpreis komplett vorstrecken. Ab einer gewissen Summe bekommt er ihn zumindest teilweise zurückerstattet. Jetzt versuche man, sich in die Situation eines vielleicht nicht allzu gut betuchten Patienten mit für ihn subjektiv unerträglichen Beschwerden versetzen, der seine Symptomatik nicht einzuordnen weiß. Mir wäre es auch wahrscheinlich lieber, von einem Team mit Versorgungserfahrung abgeholt und begleitet zu werden, als von einem Taxifahrer, der mich womöglich sogar noch in der nächsten Zahnklinik absetzt, weil er den Unterschied zwischen Krankenhaus A und Krankenhaus B nicht kennt. Und gratis gewinnt immer gegen zahlen.

Und hat man einen Krankenwagen gerufen, hat man es leider auch beim anfahrenden Team mit Angestellten eines Unternehmens mit wirtschaftlichen Zwängen zu tun. Einige Mannschaften haben die Order, jeden Patienten mitzunehmen, auch wenn es offensichtlich kein gesundheitliches Problem (mehr) gibt. Und so darf sich dann der Unfallchirurg nachts über die Wade freuen, die seit zwei Monaten immer nur beim Treppensteigen zwickt und der Urologe über den Harnverhalt, der seine Blase kurz vor Abfahrt noch komplett entleert hat.

Ist manchmal auf der Seite seiner Patienten,

Euer Anton Pulmonalis


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