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Gesundheit – 18.09.2012

Spermien sind Rechtsdreher

Spermien sind gute Schwimmer. Pro Sekunde legen sie eine Strecke von 20 bis 100 Mikrometern zurück. Das ist bei einer Größe des Spermienkopfes von 3 bis 4 Mikrometer eine beachtliche Geschwindigkeit, und zu schnell für konventionelle Lichtmikroskope, aus deren engem Blickfeld sie relativ schnell wieder verschwinden. So blieben denn Einzelheiten zu den Richtungsbewegungen der Spermien bis heute ein Rätsel. Forscher der Universität von Kalifornien in Los Angeles habe es jetzt durch eine holografische Bildgebung gelöst, mit der sie pro Experiment etwa 1.500 Spermien auf ihrem Weg beobachten konnten.

Die erste Überraschung war, dass die Spermien sich nicht geradlinig bewegen, sondern sich korkenzieherartig auf kleinsten Spiralen voranschrauben, wie das Team um Aydogan Ozcan von der Universität von Kalifornien in Los Angeles berichtet. Der Grund für die Drehbewegungen ist unklar. Einige Beobachter ziehen einen Vergleich mit dem „Ei“ des American Football, der aufgrund eines Drehmoments eine stabilere Flugbahn erreicht. Der Football kann deshalb weiter geworfen werden als sein rundes Pendant im europäischen Fußball. Ob die Spiralen den Spermien helfen, ihr Ziel sicherer zu erreichen?

Die zweite Überraschung war, dass die Drehrichtung nicht zufällig zu sein scheint. 90 Prozent der Spermien machen bei ihrer Schwimmbahn Rechtskurven, wobei Ozcan sich aber nicht sicher ist, ob dies eine Anpassung an die Flüssigkeit ist, in der die Spermien sich bewegten. Als nächstes wollen die Forscher mit ihrer Technik die Bewegungen von Bakterien und anderen Mikroorganismen verfolgen. Sie halten es nicht für ausgeschlossen, dass auch anderen Kleinstlebewesen die Spiralbewegung der linearen Fortbewegung vorziehen.


Leserkommentare

dr.med.thomas.g.schaetzler am Mittwoch, 19. September 2012, 10:37
Linkshänder durch links-drehende Spermien?
Neunzig Prozent rechtsdrehende und 10 Prozent linksdrehende Spermien machen Rechts- bzw. Linkshändigkeit aus? Kausalität, Koinzidenz oder reiner Zufall? Da helfen nicht mal Metaanalysen!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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