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Dr. werden ist nicht schwer... – 05.09.2012

Rettung durch Privatpatienten

(oder: Umgang mit Privatpatienten lächerlich, Teil 2)

Mein Krankenhaus hat derzeit sehr große Schwierigkeiten, seinen Standortvorteil, einen (immer noch) guten Ruf, eine hohe Bettenzahl und die Kooperation im Klinikenverbund in ein profitables Unternehmen umzusetzen. Immer wieder werden Bereiche neu strukturiert, Stationen zusammengelegt und vor allem Personal eingespart. Kündigt jemand, wird die Stelle einfach nicht neu besetzt. Auf Dauer führt das dazu, dass Stationen nicht aufrecht erhalten werden können, was die Umstrukturierungspläne erst recht aufblühen lässt. Der Groschen, dass Personalstärke und Profit durch Patientenumsatz korrelieren, ist zwar einst gefallen, jedoch daraufhin unwiederbringlich in einem Gullideckel verschwunden.

Mittlerweile verfolgt die Klinik eine neue Strategie, um der Klinik zu schwindelerregend hohem Gewinn zu verhelfen: das Verwöhnen von Privatpatienten. Nun habe ich zugegebenermaßen nicht den kaufmännischen Durchblick, jedoch ist die aktuelle Methode für mich derart schleierhaft, dass ich ihren kommenden Erfolg wohl gar nicht erahnen kann.

Es begann alles mit einer Zeitung. Jeden Tag erhielten unsere Privatpatienten eine Zeitung. Kassenpatienten nicht. Später kamen Blumen hinzu. Nicht ein richtiger Blumenstrauß, sondern lediglich ein kleines Blümchen in einer Salzstreuer-großen Vase. Handtücher und weitere Albernheiten folgten. Mittlerweile scheint man sich derart auf die Besserbehandlung von Privatpatienten spezialisiert, dass man wohl nicht mehr anders kann. Die Idee, nur Privatpatienten das demnächst verfügbare WLAN-System zugänglich zu machen, würde ich unter der Prämisse, dass kein ausgeklügelter Plan zur Zukunftssicherung besteht, für lächerlich und angesichts der fehlenden Einnahmen durch das Gros der Patienten sogar kontraproduktiv befinden.

Ist beruhigt, dass scheinbar doch ein solcher Plan existiert,

Euer Anton Pulmonalis


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