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Dr. werden ist nicht schwer... – 24.07.2012

Beschneidungsdebatte: Viel Lärm um nichts?

Die Verunsicherung der urologischen Kollegen beim Thema Beschneidung lässt sich auch in meinem Krankenhaus spüren. Dennoch verstehe ich die Problematik kaum. Soweit ich mitbekommen habe, wurde bisher selbst bei religiös motivierten Indikationen immer eine Phimose dokumentiert (allein schon der Abrechnung wegen).

Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass weder gerichtliche Verbote noch ein legitimierendes Gesetz die Zahl der Beschneidungen drastisch verändern werden. Denkbar wäre jedoch eine Verschiebung von Kliniken zu den niedergelassenen Kollegen, da diese weniger eine Anzeige aus den eigenen Reihen fürchten müssten.

Ist verwundert über die Vielfältigkeit der Motive hinter den aktuellen Argumenten,

Euer Anton Pulmonalis


Leserkommentare

Marcus Joos am Montag, 17. September 2012, 08:54
Revidierung meiner Aussage
Das zeigt nochmal die Unsinnigkeit der Aussage von "Stapf". Ich enthalte mich der Stimme, da ich keine ausführlichen Aussagen der Juden und Muslime kenne. Ich kann mir vorstellen, dass die Ärzte, die Beschneidungen durchführen, diese besser kennen. Wenn ich Pro und Contra lese, sind für mich beide Seiten gut nachvollziehbar
Marcus Joos am Sonntag, 16. September 2012, 17:03
Danke für die Info mit der Phimose
Ich bin etwas erleichtert. Die Argumentation von "Stapff" ist einfach übertrieben:
"unqualifiziert für den Arztberuf". Die Argumentationen der Befürworter des Nicht-Verbots des Eingriffs sind auch ernst zu nehmen (nebenbei: sollten wir streng Bibel-treu sein: das Statement "pro Beschneidung" ist da eindeutig), auch wenn wir uns wünschen würden, dass die Patienten in einem Alter sind, in dem sie selbst entscheiden können. Die aktuelle politische Situation ist für ein Verbot nicht optimal. Wobei die Frage ist, ob die politische Brisanz in z.B. 10 Jahren eine andere ist. Ich bin kein Urologe. Aber das mit dem Portiocarzinom stimmt. Nachdem ich einiges über den Eingriff gelesen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass m.E. nur Urologen die Kompetenz haben, die Vor- und Nachteile des Eingriffs zu beurteilen und zu gewichten. Bei dem Thema habe ich manchmal folgende Assoziation: die wirklich schlimme "Beschneidung" (Genitalverstümmelung) von Frauen.
Thelber am Mittwoch, 25. Juli 2012, 22:12
Tja, da fehlt der MDK VOR der Op ;-)
Denn nach der Op ist die Phimose immer gewesen - oder eben auch nicht. Da zählt dann nur noch die korrekte ärztliche Dokumentation.

Ich denke, diese (teilweisen) Unsitte der Beschneidung auf Kassenkosten kann nur durch ein unabhängiges Gutachten vor der OP begegnet werden.

Ob das den Aufwand lohnt ? Und ob es überhaupt so gut ist, das irgendwelche Menschen machen zulassen, die nicht Arzt sind ? Was ist das geringere Übel ?

Und: Ich habe irgend wand einmal gehört / gelesen, dass Ehefrauen von beschnittenen Männern seltener an einem Portiokarzinom erkranken - was ist damit ??
stapff am Dienstag, 24. Juli 2012, 20:18
Naiv, weltfremd, will Arzt werden....
Der liebe Anton Pulmonalis muss aber noch viel lernen. Wer naiv Fehldokumentation aus Abrechnungsgründen als Selbstverständlichkeit hinnimmt und die Problematik der medizinisch nicht indizierten Körperverletzung bei einer einwilligungsunfähigen Person nicht versteht, ist noch weit davon entfernt für den Arztberuf qualifiziert zu sein.
Andreas Skrziepietz am Dienstag, 24. Juli 2012, 19:32
Soweit ich mitbekommen habe, wurde bisher selbst bei religiös motivierten Indikationen immer eine Phimose dokumentiert
Das nennt man dann wohl Abrechnungsbetrug. Denn es ist doch wohl klar, daß Beschneidungen aus religiösen Gründen nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft durchgeführt werden können. Strafanzeige geht raus.

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