20/29

Dr. McCoy – 18.05.2012

Traum in Magenta

Wer schon mal mit Anbietern von Internet- oder Tele­­kom­­mu­­­ni­ka­­ti­ons­dienst­leis­tung­en zu tun hatte – und wer hatte das nicht – der kann mitunter was erzählen. Irgendwie läuft es bisweilen dann doch gar nicht so glatt und easy, wie es in den schönen Werbebroschüren oder von den freundlichen Vertriebsmitarbeitern angekündigt wurde. Und wehe, man ist dann gerade richtig drauf angewiesen, dass es klappt.

Aber gut – jetzt scheint die Telekom das Thema e-Health (wieder einmal?) ganz groß aufziehen zu wollen. Zusammen mit Kooperationspartner SAP, die ihren Einstieg in die Krankenhäuser zuerst über die kaufmännische Software gemacht haben, hat man Mobilfunk plus Tablet-PC als Lösung aller Probleme der Krankenhausärzte entdeckt. Diese stecken nämlich laut Axel Wehmeier, Leiter des Konzerngeschäftsfelds „Gesundheit“ bei T-Systems, noch in der „vorindustriellen Phase“.

Und da sich die Krankenhausärzte offenbar so sehr danach sehnen, endlich wie in einem Industrieunternehmen Gesundheit einfach nur noch zu „produzieren“, weiß SAP-Vertriebschef für Healthcare, Bernhard Thibaut, auch was sie wollen: „Wir erleben, dass Mediziner nach solchen Anwendungen regelrecht lechzen.“ Objekt der Begierde sind neudeutsch „Apps“ für Tablet-PCs, mit denen wir es dann zukünftig ganz leicht haben sollen, unsere Arbeit auf Station, im OP und in den Funktionsabteilungen zu erledigen.

Und warum soll das so einfach sein? Weil die vorgenannten Unternehmen ein Komplettangebot abliefern wollen. Alles aus einer Hand. Klingt gut. Und meinetwegen – auch ich träume im Stationsalltag manchmal von der Bill Gates Vision (aus dem Jahr 1994) „Information at your Fingertips“, wenn ich wieder mal Informationen aus den unterschiedlichsten Kanälen zusammensammle.

Allein, so recht mag ich den Verheißungen des Vertriebschefs nicht trauen. Denn in vielen Krankenhäusern ist die IT, mit der Ärzte heute arbeiten müssen, alles andere als voll integriert. Die Welt dort gleicht oft eher einem Zoo von Anwendungen unterschiedlichster Art, die jeden Tag aufs neue von einer viel zu kleinen Schar von Zoo-Wärtern – sprich: der IT-Abteilung – mühsam gebändigt werden. Ob das alles so einfach mal eben ausgetauscht werden kann? Ich will’s kaum glauben.

Und dass bei den Benutzeroberflächen dann wirklich mal jemand darauf achtet, dass den Ärzten – und nicht etwa der Verwaltung – die Arbeit leichter gemacht wird, das glaube ich sowieso erst , wenn ich’s gesehen und ausprobiert habe.


Leserkommentare

Thelber am Mittwoch, 23. Mai 2012, 23:35
Der Verwaltung die Arbeit erleichtern ....
das ist der Knackpunkt. Wir Ärzte lassen uns ja allerlei Arbeiten aufhängen - wie z.B. das Kassieren einer Kassengebühr in den Praxen der Niedergelassenen !!


Bookmark-Service:
20/29
Dr. McCoy
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika