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Gesundheit – 03.05.2012

Vogelgrippe-Studien: Viel Lärm um Nichts?

Die erste von zwei umstrittenen Studien zur Vogelgrippe, über seit einem halben Jahr auch außerhalb der Fachkreis diskutiert wurde, ist jetzt in Nature erschienen. Für al-Qaida und andere diabolische Organisationen ist dies sicherlich kein Grund zum Download und zur Einrichtung eines geheimen Labors irgendwo in den Bergen von Afghanistan oder sonstwo.

Auf 11 Seiten beschreibt das Team um Yoshihiro Kawaoka von der Universität von Wisconsin in Madison, wie wenige Veränderungen im Gen für das Hämagglutinin ausreichten, um das hochpathogene Vogelgrippe-Virus H5N1 mit der leichten Übertragbarbeit der Grippevirus Neuen Influenza H1N1 auszustatten. Das Vogelgrippe-Virus H5N1 erlangte damit die Fähigkeit, sich ebenso leicht auszubreiten wie die saisonale Influenza. Vier der sechs Frettchen im Labor infizierte sich über eine Tröpfcheninfektion.

Doch das H5N1-Virus ließ wenig von dem Schrecken erkennen, das dem Erreger der Vogelgrippe zugeschrieben wird. Von den etwa 600 bisher an Vogelgrippe erkrankten Menschen sind etwa die Hälfte gestorben. Doch von den vier an der H5N1-Influenza erkrankten Frettchen überlebten alle. Sie sollen nur leicht an einer Grippe erkrankt sein. Das spricht nicht gerade für das Szenario, dass die Viren, sollten sie versehentlich oder in bösartiger Absicht freigesetzt worden sein, eine gefährliche Pandemie ausgelöst hätten.

Kawaoka schreibt, es sei unklar, ob die vier genetischen Veränderungen die Überlebensfähigkeit der Vogelgrippevirus in der Umwelt erhalten hätten. Die neue Viren könnten aus epidemiologische Sicht ein Rohrkrepierer gewesen sein. Auch die hohe Letalität des Wildtyps von H5N1 ist keineswegs sicher.

Einige Experten vermuten, dass es sich bei den bekannt gewordenen Erkrankungsfällen nur um die Spitze eines Eisbergs handelt und dass sich in Wirklichkeit weitaus mehr Menschen mit der Vogelgrippe infiziert hätten. Dies sie nur nicht erkannt worden, weil sie nicht schwer erkrankten. Dies würde die dem Vogelgrippe-Virus zugeschriebene Letalität relativieren. Auch das Virus der Spanischen Grippe verfügte nur über eine geringe Letalität. Die hohe Zahl der Todesfälle resultierte aus der hohen Zahl der Infizierten.

Tatsache ist, dass es in der Natur immer wieder zur Bildung aggressiver Influenza-Viren kommt, die dann eine Pandemie auslösen. Die Experimente von Kawaoka bestätigen, dass dazu nur wenige Mutationen notwendig sind. Anders wäre es auch schwer vorstellbar. Die Evolution vollzieht sich immer in Einzelschritten. Dass Hunderte von Mutationen plötzlich einen völlig neuartigen Erreger schaffen, widerspricht der Darwinschen Theorie. Es würde eher an ein „intelligentes Design“ grenzen, um ein Schlagwort der Kreationisten zu benutzen.

Die Evolution funktioniert verblüffend einfach. Im Labor lässt sie sich aber nur mit Mühen nachstellen. ScienceNow berichtet, es seien 2 Millionen Mutationen durchprobiert worden, bis die Forscher die richtige Kombination fanden. Was den Forschern unter großem Aufwand gelang, vollbringt die Natur spielerisch. Dann der Myriaden von Viren, kommt es dauernd zu Mutationen. Alle paar Jahre entstehen Konstellationen, auf die das Immunsystem der Menschen nicht vorbereitet ist.


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