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Gesundheit – 22.02.2012

MRSA pendeln zwischen Mensch und Schwein

Der ungehinderte Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht hat zu einem Anstieg der Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) geführt. Der Stamm CC398 („Schweine-MRSA“) konnte in Deutschland in 43 bis 70 Prozent der Schweinehaltungen nachgewiesen werden. Bis zu 71 Prozent der Tiere in Schlachthöfen sind besiedelt. Die nachgewiesenen Mengen waren jedoch gering. Die Gefahr einer Lebensmittelinfektion wird von den Experten deshalb als gering eingeschätzt.

Durch den direkten Kontakt mit den lebenden Tieren (auf dem Bauernhof) oder den Kadavern (im Schlachthof) sind Infektionen aber leicht möglich. Häufig kommt es zu Wundinfektionen, möglich sind aber auch beatmungsassoziierte Pneumonien.

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Epidemiologen sprechen auch von „livestock-associated“ oder LA-MRSA, als dritter Gruppe neben den Klinikkeimen („health care-associated“ oder HA-MRSA) und den ambulant erworbenen Keimen („community-associated“ oder CA-MRSA). Der Anteil der LA-MRSA an allen MRSA beim Menschen steigt. In den Niederlanden wurde er kürzlich in 25 Prozent aller MRSA-Laborproben nachgewiesen, in Deutschland waren es in einer Region 4,9 Prozent. Insgesamt dürfte die Rate hierzulande bei unter einem Prozent liegen.

Einen Grund für die leichte Infektion (über Kontakt mit den Tieren, nicht über den Verzehr von Fleisch) hat jetzt ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden, die das Genom von CC398 in 89 Proben aus 19 Ländern sequenziert haben. Das Erbgut liefert wichtige Hinweise für die Herkunft. Die Autoren sind sich sicher: Der Ahn des Schweine-MRSA sind menschliche MSSA, also Staphylokokken, die noch auf Methicillin sensibel waren. Erst durch den Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht sind sie zu MRSA geworden.

Damit hat der Einsatz von Antibiotika in Viehzucht und Medizin die gleiche Wirkung: Die beschleunigte Evolution eines Super-Keims, der jährlich in Europa zu etwa 170.000 MRSA-Infektionen und mehr als 5.000 Todesfällen führt.

Fairerweise muss gesagt werden, dass die Hauptlast auf den Einsatz von Antibiotika in der Medizin fällt. Möglicherweise verhindern die Standards in der Lebensmittelhygiene (noch), dass LA-MRSA durch verdorbene Nahrungsmittel übertragen wird. Das Potenzial dürfte aufgrund der genetischen Verwandtschaft zu menschlichen Keimen vorhanden sein.


Leserkommentare

Thomas Albers am Samstag, 21. Juli 2012, 12:37
MRSA pendeln zwischen Mensch und Schwein
Aha!! Also doch!! Unter seines Gleichen kann man das Thema MRSA also auch differenziert und objektiv sehen und behandeln, und nicht nur pauschal der Landwirtschaft in die Schuhe schieben. Getreu dem Motto: Die haben eh keine Lobby und Veterinäre verschreiben grundsätzlich zu viele Antibiotika. Wäre schön, wenn diese Studie mal der breiten Masse mitgeteilt werden würde, um zu wissen, wem MRSA wirklich geschuldet ist........ .

Thomas Albers

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