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Gesundheit – 17.02.2012

Medikamentengabe per WLAN

Das Telefonieren ist längst zu einer Nebensache des Telefons geworden. Mit modernen Smartphones kann man Fotografieren, Filmen, im Internet surfen, E-Mails checken und in Zukunft auch die Abgabe von Medikamenten steuern. Möglich wird dies durch eine WLAN-Verbindung mit einem Medikamenten-Chip, der unter der Haut implantiert wird. Auf Knopfdruck oder automatisch, etwa über einen WLAN-Sender in einem Smartphone, wird dann das Medikament abgegeben.

Das klingt einfach, doch das Team um Robert Langer und Michael Cimaals vom Massachusetts Institute of Technology in Boston hat 15 Jahre benötigt, bis sie ihr Gerät so weit entwickelt hatten, dass es in einer klinischen Studie erprobt werden konnte.

Der Empfänger hat sich als das geringste Problem erwiesen. Auch die Steuerung über Mikrochip ist heute zur Banalität geworden. Schwieriger ist es, die geordnete Abgabe der Medikamente zu organisieren. Das Team entschied sich für eine Reihe von Mikro-Containern, die mit einer nanodünnen Schicht aus Platin und Titanium verschlossen sind. Ein kleiner Strom stößt eine chemische Reaktion an. Die Versieglung löst sich auf. Das Medikament wird vom umgebenden Gewebe resorbiert.

Die vielen Container vergrößern allerdings die „subkutane Apotheke“. Der Prototyp mit lediglich 20 Containern hatte schon die Dimensionen eines Herzschrittmachers (3 x 5 x 1 cm). Für Diabetiker, die täglich mehrmals Insulin injizieren müssen, dürfte der Medikamenten-Chip derzeit nicht geeignet sein.

Immerhin: Die Pharmakokinetik bildet in etwa eine subkutane Injektion nach. Dies konnten die Forscher beim ersten Einsatz des Gerätes bei acht postmenopausalen Frauen zeigen, die wegen einer Osteoporose mit Teriparatid behandelt wurden. Teriparatid ist ein Analogon des Parathormons. Es ist zur Behandlung der Osteoporose zugelassen, wird allerdings derzeit nur selten eingesetzt, da es als Peptid subkutan injiziert werden muss und die Applikation täglich notwendig ist.

Die theoretischen Anwendungsgebiete sind vielfältig. Sie entsprechen den Bereichen, in denen heute bereits Medikamentenpumpen eingesetzt werden, also etwa dem insulinpflichtigen Diabetes mellitus oder die Schmerztherapie. Dass sich implantierten Pumpen gegen die externe Konkurrenz durchsetzen können, muss bezweifelt werden.

Zum einen werden bei einer mehrmonatigen Therapie deutlich mehr als 20 Container benötigt. Es ist außerdem damit zu rechnen, dass sich um das Gerät herum eine fibröse Bindegewebsschicht bildet, die die Pharmakokinetik verändert. Die externen Pumpen, die das Medikament über eine kleine Kanüle applizieren, dürften hier zuverlässiger und vermutlich auch kostengünstiger bleiben.

Eine WLAN-Steuerung einschließlich der telemedizinischen Übermittlung von Daten an den Hausarzt wäre hier ebenfalls möglich und vielleicht auch sinnvoll. Für die Verbesserung der Compliance der Patienten ist der ganze Aufwand nicht nötig. Die heutigen Smartphones haben alle einen Kalender mit Erinnerungsfunktion. Vergessliche Patienten können sich beispielsweise täglich zu vorgegebener Zeit eine Email zusenden, die sie an die Einnahme oder Injektion erinnern. Im Übrigen gibt es auch schon Apps, die diese Aufgabe übernehmen.


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