245/296

Vom Arztdasein in Amerika – 03.02.2012

Die $4-Dollarliste

Teil der hiesigen Ausbildung ist die Vermittlung von ressourcenschonendem Umgang in der Medizin. Das bedeutet nicht nur, dass man die Indikationsstellung eines Testes gut begründen muss ehe man ihn anordnet, sondern auch die Berücksichtigung der Kosten für Diagnostik, Therapie einschließlich der Medikamenten.

So gibt es eine 4-Dollarliste (Teil Zwei) stößt an ihre Grenze Diese Vier-Dollarliste hilft uns Ärzten ungemein, denn hiermit können wir zügig die günstigsten Medikamente heraussuchen; nicht umsonst hängen mehrere solcher Listen in unserer Praxis. Mit Blick auf diese Liste wird verständlich, wieso Medikamente wie Lisinopril, Simvastatin, HCTZ oder Amoxicillin sehr beliebt in unserer Praxis sind: Sie sind günstig und effektiv.

Wir Assistenten haben diese Listen derart internalisiert, dass die meisten Medikamentenlisten unserer Praxispatienten sich weitestgehend ähneln. Unsere Oberärzte, wenn sie teure Medikamente mit Billigalternative bei unseren Patienten sehen, verweisen in solchen Fällen oft auf die $4-Dollarliste und bitten uns um kostengünstiges Umstellen der Medikation oder guter Begründung und Dokumentation wieso nicht geschehen.

Trotzdem: Das US-System bleibt sehr teuer. Das hat viele Gründe. Wenigstens haben wir Assistenten die Genugtuung, einen kleinen Teil dagegen gemacht zu haben.


Leserkommentare

popert am Samstag, 4. Februar 2012, 18:40
Antibiotikaresistenzen gezüchtet
1. So sinnvoll diese Selbstmedikation für Kranke mit kleinem Geldbeutel sein mag - die erheblichen Probleme mit Antibiotikaresistenzen in den USA werden damit erklärbar.
@ Andreas Skrziepietz
Das Teuerste zu verordnen, um den Krankenkassen zu schaden, ist eine typisch deutsche Schnapsidee - niemand hat so niedrige Zuzahlungen wie in Deutschland. Auch MEDICAID und MEDICARE haben meines Wissens keinen Nulltarif, sondern schmerzhafte Kostenbeteiligungen.
stapff am Freitag, 3. Februar 2012, 20:33
Fehlschluss
Wenn der Horizont an der Krankenhaustüre endet, kann man tatsächlich dem Fehlschluß unterliegen, daß die Medikamentenpreise für das abnorm teuere Gesundheitssystem in den USA verantwortlich sind. Tatsächlich sind es aber hauptsächlich die extrem veralteten und ineffizienten Prozesse und Vorschriften in Verordnung, Abgabe und Abrechnung von Medikamenten und Leistungen, zusammen mit einem absurden Haftungssystem.
Andreas Skrziepietz am Freitag, 3. Februar 2012, 17:43
Wenigstens haben wir Assistenten die Genugtuung, einen kleinen Teil dagegen gemacht zu haben.
Warum? Damit stabilisiert ihr das System, anstatt seinen Zusammenbruch zu beschleunigen. Eine Regierung, die bankrotteure&Spekulanten mit Subventionen in Milliardenhöhe belohnen kann, wird doch wohl auch in der Lage sein, teure Medikamente zu finanzieren. Ich würde grundsätzlich immer das teuerste verordnen.

Bookmark-Service:
245/296
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs