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Gesundheit – 23.01.2012

La Niña und die Grippe-Pandemien

Schon Hippokrates war von der Bedeutung des Wetters für die Ausbreitung von Krankheiten überzeugt. Wer die Heilkunst in der rechten Weise ausüben wolle, so riet er angehenden Ärzten, der müsse zunächst einmal die Jahreszeiten und dann die „warmen und kalten Winde“ beachten, „vor allem die, welche für alle Menschen gemeinsam sind, aber auch die, welche in jedem einzelnen Lande zu Hause sind.“

Da können Jeffrey Shaman von der Mailman School of Public Health in New York und Marc Lipsitch von der Harvard School of Public Health in Boston nur zustimmen. Den beiden Forschern ist aufgefallen, dass den vier letzten Grippe-Pandemien, der Spanischen Grippe von 1918, der Asiatischen Grippe von 1957, der Hongkong-Grippe von 1968 und zuletzt der Schweinegrippe von 2009 jeweils ein Klimaphänomen vorausging, das Meteorologen als La Niña bezeichnen.

La Niña ist ein Wetterereignis im tropischen Pazifik, das alle 2 bis 7 Jahre und in der Regel im Anschluss an ein El-Niño-Ereignis auftritt. La Niña ist gekennzeichnet durch besonders starke Passatwinde, die von Südamerika nach Südostasien wehen und das warme Wasser an der Oberfläche des Pazifiks nach Westen treiben. Vor der Küste Südamerikas steigt dann kaltes Wasser aus der Tiefe auf: Südamerika leidet unter einer kalten und trockenen Witterung.

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Darunter leiden nicht nur die Menschen. Im Pazifik kommt es, so Lipsitch, zu einer Änderung der Vogelzüge in Richtung Südostasien. Die Vögel würden dann möglicherweise in größerer Nähe zu den Viehställen nisten. Der engere Kontakt zu Schweinen und anderen Tiere würde zur Mischung verschiedener Virusstämme und zur Reassortment der Gene führen.

Das klingt plausibel, große Teile der Hypothesen, etwa die Veränderung der Vogelmigration und die Auswirkungen auf das Ökosystem wären zu prüfen. Vorhersehbar werden die Pandemien durch das neue Modell nicht, zumal auch in der Vergangenheit die wenigsten La Niña-Perioden zum Auftreten einer Pandemie geführt haben.


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