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Gesundheit – 20.12.2011

Krankenakten: Patienten möchten mitlesen

Die meisten Ärzte lassen sich ungern in ihre Krankenakten schauen, auch wenn dies im Zeitalter elektronischer Aufzeichnungen leicht möglich wäre. Die Sorge, dass das Studium der dortigen Angaben mit ihren Fachtermini die Patienten verunsichern, wenn nicht verstören würde, ist verbreitet. Paternalistisch gesinnte Kollegen dürften auch der Ansicht sein, dass die Patienten es eigentlich nicht so genau wissen möchten.

Diese letzte Aussage trifft – zumindest für US-Patienten aus Neuengland – nicht zu. Eine Umfrage im Rahmen des Open Notes Projekts, das die Auswirkungen offen gelegter Krankenakten untersucht hat, ergab: Mehr als 90 Prozent der Patienten würden gerne wissen, was die Ärzte zu ihre Krankheiten herausgefunden haben.

Die Ärzte waren gespalten: Etwa die Hälfte der befragten Hausärzte lehnte eine Beteiligung an dem Projekt ab, weil für sie die Nachteile überwogen. Die anderen erwarteten, dass die Kommunikation mit ihren Patienten bereichert werde.

Welche Seite Recht behält, lässt sich noch nicht sagen. Das Projekt wurde kürzlich abgeschlossen, Publikationen zu den Auswirkungen auf die Behandlungsqualität und vor allem auf die zusätzliche Belastung der Ärzte liegen noch nicht vor.

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Welche Möglichkeiten der Arzt-Patienten-Kommunikation sich durch offene Krankenakten ergeben, zeigen die Erfahrungen von „My HealtheVet“, einem webbasierten PHR (personal health records), das 2003 von der US-Veteranenbehörde gestartet wurde. Patienten wird hier auf einer persönlichen Seite ein partieller Einblick in ihre elektronischen Krankenakten gewährt. Diese ist derzeit auf die Medikationsliste und die Ergebnisse von Laboruntersuchungen begrenzt. Die Patienten können über „My HealtheVet“ aber Rezepte verlängern und mit ihrem Arzt kommunizieren und Termine vereinbaren.

Im Juni 2011 hatten sich 1,3 Millionen Veteranen bei My HealtheVet registriert. Viele schätzen dieses Portal, und vier von fünf äußerten jetzt in einer Umfrage den Wunsch, auch Verwandten oder anderen Ärzten Einblick in ihre persönlichen Krankenakten zu gewähren. Die in Deutschland verbreitete Angst, dass die Daten in irgendeiner Weise in falsche Hände geraten könnten, haben US-Patienten offenbar nicht.


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