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Vom Arztdasein in Amerika – 02.12.2011

Geldgier

Wer mein Internettagebuch verfolgt, der merkt, dass es öfters das Thema Geld betrifft. Fraglos definiert sich die bundesdeutsche Republik stark über ihren materiellen Wohlstand und viele Bundesbürger definieren sich über ihren Konsum und erzählen gerne von ihrem Urlaub, ihrem Auto, ihren neuen Möbeln usw. Noch materialistischer scheint jedoch die US-Gesellschaft zu sein; hier spricht man sehr offen über Geld und Wege es zu besitzen und zu vermehren. Das färbt ab, daher auch meine häufigen Texte zum Thema Geld.

Woran man diesen Materialismus erkennt? Zum Beispiel daran, dass US-amerikanische Erstsemestler als höchstes zu erreichende Ziel „finanziellen Wohlstand“ angeben: Immerhin das wichtigste Ziel für circa drei Viertel aller Studienanfänger (http://www.yesmagazine.org/30goodlife/myers.htm oder http://www.acenet.edu).

Leider macht dieser Materialismus auch nicht vor meinen Assistenzarztkollegen halt, und gelegentlich streitet man sich wenn man sich finanziell benachteiligt fühlt. So leisten wir Assistenzärzte monatlich mehrere Extradienste. Sie sind sehr beliebt, weil man je Extradienst mindestens $800 als Basistarif für eine 15-stündige Schicht erhält, darüber hinaus einen Zusatzverdienst der sich aus der Zahl der Piepsernachrichten und der Zahl der Patientenaufnahmen errechnet.

Entsprechend wird man zwar schon im Basistarif gut honoriert,  besser und stärker jedoch im Rahmen eines geschäftigen Nachtdienstes. Man verdoppelt diesen Basistarif öfters, einfach, weil unser Krankenhaus so viel Arbeit für uns Internisten hat. Während man mir in Deutschland stets einen „ruhigen Dienst“ wünschte, wünschen sich die Assistenzärzte im hiesigen Krankenhaus manchmal eben genau das Gegenteil.

So hatte ich also vor kurzem einen solchen Nachtdienst gemeinsam mit einem anderen Assistenzarztkollegen. Durch Zufall erhielt ich zwei Aufnahmen mehr als mein Kollege und hatte dadurch am Ende der Nacht – obwohl er mehr Piepser trug, mehr Anrufe erhielt und weniger schlief – etwas mehr Geld als er verdient. Irritiert fuhr er mich am nächsten Morgen an und war für einige Tage mir gegenüber verstimmt.

Wie das Geld uns Menschen beeinflusst! Während man mir in Frankreich bei einem Stundenverdienst von knapp 8,50 Euro die Dienste nur so angeboten hatte (die man vorher zwangsverteilt hatte) und mich Assistentenkollegen beinahe täglich anriefen, um mir ihre Dienste zu geben, kommt es bei uns am US-Krankenhaus manchmal zu Zwisten weil jeder mehrere Extradienste pro Monat haben will und sich bei der Schichtzuteilung benachteiligt fühlt.

Geldgier – hoffentlich steckt sie mich nicht auch an. 


Leserkommentare

Andreas Skrziepietz am Sonntag, 4. Dezember 2011, 15:47
und mal in Deutschland Erfahrungen sammeln.
weil er das getan hat, ist er ja nach amerika gegangen.
pth.krueger am Samstag, 3. Dezember 2011, 15:36
Die Berichte aus Amerika ...
... sind einfach unter aller Kanone. Er sollte sie stoppen ... und mal in Deutschland Erfahrungen sammeln. So ein naseweisses geschreibsel hab ich schon lange nicht mehr gelesen.
Gruss, Krüger
Andreas Skrziepietz am Freitag, 2. Dezember 2011, 18:06
Stundenverdienst von knapp 8,50 Euro
da bekommt ja die putzfrau mehr. ils sont fous, les francais.

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