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Vom Arztdasein in Amerika – 24.10.2011

Praxisalltag – Teil 3

Wer die rege Diskussion um den Berufszweig des Hospitalisten in den USA verstehen will, der muss die US-Medizin und ihren Aufbau kennen; die US-Medizin ist traditionell auf einer Dualrolle des Arztes aufgebaut: Er arbeitet sowohl ambulant als auch stationär. Hier ist sie anders als vielerorts in Deutschland.

Ich erlebe das in meiner Praxis häufig. So betreue ich einen Patientenstamm von geschätzten 200 Patienten regelmäßig ambulant. Neben Routineuntersuchungen sehe ich diese Patienten auch für akute medizinische Fragestellungen in meiner Praxis: Wegen signifikantem Fiebers wies ich kürzlich eine Patientin ein.

Wie in diesem Fall, wenn ein Patient stationäre Versorgung benötigt, bin ich ebenfalls involviert: Geht er zur Notaufnahme (meines Lehrkrankenhauses) und wird dort vom Notaufnahmearzt behandelt, so werde ich meistens angepiept.

Entweder, um bei der Entlassung aus der Notaufnahme ärztlich beratend mitzuhelfen oder um den Patienten ins Krankenhaus selber aufzunehmen. Denn wird der Patient aufgenommen, so bin ich der zuständige Arzt und muss ihn am Ende meines Praxistages sehen.

Er ist ja mein Patient, so die Einstellung. Es obliegt mir somit, die Aufnahmeanamnese zu erheben, Diagnostik und Therapie anzuordnen und den Patienten während seines stationären Aufenthaltes zu betreuen. Im Gegensatz zu Deutschland ist ein Arzt traditionell sowohl stationär als auch ambulant tätig.

Das ist die klassische Arztrolle in USA: Rund um die Uhr steht man für „seine“ Patienten zur Verfügung: Morgens stationäre Visite, dann Praxisalltag, abends im Anschluss dann erneut stationäre Nachvisite und Patientenaufnahmen.

Es ist weiterhin ein weit verbreitetes Modell, vor allem im ländlichen Bereich. Naturgemäß haben sich Ärzte oft in größere Verbünde zusammengeschlossen, um dann innerhalb dieser Gruppe einen Arzt ausschließlich für die stationäre Arbeit zu bestimmen, um den Rest ambulant arbeiten lassen zu können. Übrigens besitzen die meisten Fachrichtungen solch eine duale Rolle mit sowohl ambulanten als auch stationären Verpflichtungen.

In einer modernen und immer weiter spezialisierten Medizin fühlen sich viele Internisten jedoch zunehmend unwohl, diese Rolle zu erfüllen. Darüber hinaus gibt  es immer häufiger auch in den USA „Lebengefühlfaktoren“ wie Streben nach Freizeit und Familienzeit. Hieraus ist die Hospitalistenbewegung entstanden – Ärzte, die ausschließlich in Krankenhäusern arbeiten, damit andere Ärzte ausschließlich ambulant arbeiten können.

Aktuell existieren beide Modelle, wobei die Aufteilung in stationär und ambulant (Hospitalist versus Praxisarzt) vor allem in Metropolen immer beliebter wird. Aber werden internistische Assistenzärzte so ausgebildet, als würde man ein Dualinternist werden; eine massive Zeitbelastung, wie man sich vorstellen kann.


Leserkommentare

Andreas Skrziepietz am Mittwoch, 26. Oktober 2011, 20:25
scheint ein langweiliges thema zu sein
schreib lieber was über den ganz normalen täglichen irrsinn in gottes eigenem land. was passiert z.b., wenn jemand es wagt, keine flagge an seinem haus zu haben?

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