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Gesundheit – 18.10.2011

Malaria: Rosige Bilanz einer WHO-Organisation

Der Roll Back Malaria Partnership ist anlässlich der Vorstellung ihres Tätigkeitsberichts ein Lapsus unterlaufen, der kennzeichnend ist für den übertriebenen Optimismus der letzten Jahre. In der Pressemitteilung der 1998 von WHO und Weltbank initiierten „public-private partnership“ heißt es, die Zahl der Todesfälle sei um 38 Prozent gesunken. Die WHO musste die Zahl sogleich richtig stellen.

Laut dem World Malaria Report 2010 der WHO waren 2009 schätzungsweise 781.000 Menschen an einer Malaria gestorben. Im Jahr 2000 hatte es noch 985.000 Todesfälle gegeben. Die Zahl der Todesfälle ist mithin um 20 Prozent gesunken.

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Auch dies ist ein natürlich ein Erfolg, auch wenn er bedeutet, dass die Roll Back Malaria Partnership weit hinter ihrem Ziel zurückgeblieben ist. Noch 2005 war nämlich von einer Halbierung der Erkrankungen und Todesfälle bis 2010 die Rede gewesen. Bis 2015 wurde sogar ein Rückgang um bis zu 75 Prozent anvisiert.

Die Erfolge der letzten Dekade werden auf die Verteilung von mit Permethrin imprägnierten Bettnetzen und die Einführung der Artemisinin-basierten Therapie zurückgeführt. Inzwischen gibt es allerdings Berichte über permethrin-resistente Mücken und artemisin-resistente Plasmodien.

Das erinnert ein wenig an die Situation Anfang der 1970er Jahre. Damals zeichnete sich ein Scheitern des „Global Eradication of Malaria Program“ ab, die nicht weniger als die Ausrottung der Malaria zum Ziel hatte.

Erreicht werden sollte dies durch den Einsatz von DDT-Sprays in Wohnungen und die Behandlung mit dem damaligen Malaria-Standardmittel Chloroquin. Beide Mittel hatten ihre Wirksamkeit eingebüßt. Das Ende kam dann 1973 mit der Ölkrise und der folgenden Wirtschaftskrise. Auch heute scheint angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise das Interesse der Industrieländer, sich für die Eindämmung der Malaria einzusetzen wieder zu erlahmen.

Dabei war das Global Eradication of Malaria Program nicht ohne Erfolge geblieben. Im Zeitraum von 1955 bis 1972 waren 15 Länder Malaria-frei geworden. Es handelte sich allerdings zumeist um Länder der gemäßigten Zonen (darunter unsere Nachbarländer Polen und die Niederlande), in denen die Erkrankungszahlen zuvor nicht sehr hoch waren. Einige Länder hätten die Eradikation möglicherweise auch aus eigener Kraft geschafft.

Auch im letzen Jahrzehnt wurde die Malaria vor allem in den „Schwellenländern“ eingedämmt. Die sieben Länder, die seit Einführung der Roll Back Malaria Partnership von der Malaria befreit wurden, sind Marokko, Syrien, der Irak, Armenien, Georgien, Kasachstan und Turkmenistan.

Europa ist jetzt (fast) frei von Malaria. Im Afrika südlich der Sahara ist sie jedoch weiterhin endemisch. Malaria-Netze und Artemisinin werden die Malaria hier auch in den nächsten Dekaden nicht besiegen, sondern nur eindämmen können, wobei viel von der Ausbreitung der Resistenzen abhängen wird.

Viele Hoffnungen beruhen derzeit auf der Entwicklung des ersten Malaria-Impfstoffs „RTS,S“, der in den nächsten Jahren eingeführt werden könnte. Die ersten Ergebnisse lassen allerdings nicht erwarten, dass die Impfung einen kompletten Schutz vermittelt. Die Malaria ist noch lange nicht besiegt.


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