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Dr. werden ist nicht schwer... – 04.10.2011

Den Oberarzt abschaffen

Es ist schon erstaunlich, welche Veränderung die Ernennung zum Oberarzt bei einigen Kollegen hervorrufen kann. Nun führt diese Beförderung nicht nur zu einer höheren Gehaltsstufe und meist zum Wechsel in den Hintergrunddienst. Sie sollte auch zur Folge haben, dass der beförderte Kollege mehr Verantwortung im Krankenhausbetrieb übernimmt. Dies könnte im Idealfall für die Assistenten zum gesteigerten Bewusstsein zur Ausbildungsverpflichtung beim neuen Oberarzt führen.

Ich habe bereits in zwei Häusern bei mehreren Personen erlebt, dass mit der Ernennung zum Oberarzt vor allem eines wuchs: das Ego. Ein besserer Beitrag zur Ausbildung war jedoch in den erlebten Fällen nicht zu beobachten, es sei denn man zählt kleinliche Briefkorrekturen hierzu.

Leider stieg jedoch die Quantität und leider auch im negativen Sinne die Qualität der Meckerbeiträge. In besonders armseligen Momenten ergänzt durch den Zusatz: „Ich bin Oberarzt und Du Assistenzarzt“.

Nun ist ja „Ober“ eher nicht positiv behaftet. Weder die Betitelung als „Oberlehrer“ oder „oberschlau“ sind schmeichelhaft für den Betitelten. Man sollte sich einen anderen Titel für den Oberarzt ausdenken (Vorschläge sind wieder erwünscht). Wahlweise könnte man natürlich auch darüber nachdenken, Oberärzte in Personalführung und anderen nicht-curricularen Fähigkeiten anzuleiten.

Träumt schon wieder von einer besseren Welt,

Euer Anton Pulmonalis


Leserkommentare

derfremdlinge am Samstag, 26. November 2011, 10:51
Der Oberarzt, das Ungeheuer aus "Jurasic Park"
Die „fortgeschrittene Industriegesellschaft", ist dadurch gekennzeichnet, dass die Entwicklung der Technologie die Grenzen zwischen den verschiedensten voneinander getrennten Bereichen überspielt und in einem einzigen Prozess von Machbarkeit und repressiver Verwaltung vereinigt hat. Die technologische Entwicklung hat eine „Verschiebung im Ort der Mystifizierung" hervorgebracht: wissenschaftstheoretisches Selbstmissverständnis ist nun „verkörpert im alltäglichen Handeln selbst". Das Bestehen der überflüssig verfügbaren experimentellen Methoden, lässt der Behandelnde glauben, er hätte das Mittel, die klinischen Probleme, die ihn beunruhigen, loszuwerden, obgleich Probleme und Methode windschief aneinander vorbeilaufen. Aus dieser (Aber)glaube entstehen auf einer Seite der alltägliche Aktionismus, der durch eine „verarmte“ Wahrnehmung der klinischen Problematik ausgezeichnet ist, und auf anderer Seite die Mystifizierung des Aktes.

Dieser alltägliche Aktionismus kann man als Zeugnisse für Aktivitäten in der Vorgeschichte der Radioonkologie (Spurenfossilien) betrachten.

Man macht etwas , ohne zu hinterfragt, ob das, was man macht, sinnvoll ist. Man blendet dadurch die Frage nach dem Sinn des ärztlichen Handelns aus. Wie bei jeder „historischen Wissenschaft“ liegen manchmal „ fossile Lücke“ vor, die ich nicht überbrücken kann, jedoch ist es interessant, in einem alltäglichen Museum für radioonkologische Vorgeschichte die aus dem Blut und Fleisch Medizindinosaurs (nicht körperlich gemeint sondern der Grade der Eminenzbasierung!) zu paläontologisch beobachten!

Oberarzt war historisch gesehen seit 1898 der Dienstgrad der bis dahin "Assistenzarzt erster Klasse" genannten Mitglieder des Sanitätsoffizierkorps im deutschen Heer. Also muss der Oberarzt als "finanziell besser bezählter Assistenzarzt" umbenannt werden.
kosmo am Samstag, 15. Oktober 2011, 22:50
Alte Denkweise endlich abschaffen.
Es ist schon erstaunlich (Wiederholung!), wie "mutig" manche Vorschläge klingen. Oberarzt abschaffen! Eine Revolution! Es wird nicht allzu lange dauern, vielleicht läppische 30-40 Jahre, da kommt sogar jemand auf die Idee, die sämtliche Hierarchie in deutschen Krankenhäusern abzuschaffen.
Jetzt im Ernst: fast alle vergleichbare Länder lachen sich tot, falls die Kenntnis von hierarchischen Strukturen in D bekommen. Es geht deutlich schlanker, preiswerter und einfacher...
mediko am Donnerstag, 6. Oktober 2011, 01:27
Umbenennung / Vorschläge
Ein Oberarzt ist ja einer, der "nur noch Druck vom Chef" kriegt - also ein KrinunoDruvoC - was nicht so besonders einprägsam klingt und als Titel etwas daneben ist, zugegeben.
Aber wie wäre es denn, ihn - da er ja nun auch selbst die Lizenz zum Treten (LzT) hat - als "ALzT" zu bezeichnen. Gäbe dann also die sinnige Steigerung von Arzt ("Assistent, rücksichtslos zu traktieren") zu Alzt ("Arzt mit der Lizenz zum Treten") zu Chef ("chefe, hat endgültig fertig").
Andreas Skrziepietz am Mittwoch, 5. Oktober 2011, 12:58
Ich Chef, Du nix
Gratuliere! Antons bisher bester Beitrag.
ares am Mittwoch, 5. Oktober 2011, 12:39
Kollegialsystem? Anders sein!
Dr. med. Thomas M.H. Bergner (Coach und Berater): "Die meisten Ärzte arbeiten nach ihrer Approbation eine Zeit lang in der Klinik. Nun geht es um das wirkliche Erlernen des Arztseins - und es geht auf einmal um eine Hierarchie, aus der es fast kein Entkommen gibt. Diese Art der höchst strikten, in keiner anderen Branche, außer dem Militär, noch bestehenden Hierarchie ist anachronistisch und kontraproduktiv, denn die Autorität der letzten Entscheidung kann auch anders vermittelt werden".

Das Kollegialsystem sieht keinen Chefarzt vor, sondern, je nach Abteilungsgrösse und Patientenaufkommen, eine variable Zahl von gleichberechtigten Fachärzten, die in verschiedenen Systemen zwar noch ähnliche Bezeichnungen, wie der noch existente (und so bald wohl auch nicht involutierte) Oberarzt tragen, aber eine andere Funktion besitzen. Sie werden Consultant oder Attending genannt. (Auch diese sind jedoch sehr oft nicht des Pudels Kern)
Sie haben die Personal-, Ausbildungs-, Patienten - und Risikoverantwortung und werden regelmässig auditiert.

Die Betonung liegt auf Kollegial. Dieses Verhalten beruht nicht auf gesundem Menschenverstand (was soll das sein?), es ist nicht angeboren und muss erlernt werden. Davon sind wir, in einer so kompetitiven Disziplin, noch sehr, sehr weit entfernt. (Das haben wir schon immer so gemacht!)
Es gilt in allen Lebensbereichen: Was Du nicht willst, dass man Dir tu', das mut' auch keinem anderen zu. In den meisten (menschlichen Systemen) wird, wer getreten wurde, im Folgenden zum Tretenden. Als OA hat man endlich Autonmonie, nach sovielen Entbehrungen. Jetzt sind die anderen dran...oder so ähnlich? Die Lösung: anders sein.

Nichts ist unmööööglich....






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