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Gesundheit – 21.09.2011

Haifischmittel hilft immer und gegen alles

Haifische verfügen nur über ein äußerst primitives Immunsystem. Trotzdem sind sie niemals krank. Das liest man häufig. Doch die Wissenschaft ist dem Geheimnis dieser uralten Tiere (entwicklungsgeschichtlich, versteht sich) auf der Spur.

Schon 1993 entdeckte der Forscher Michael Zasloff, damals an der Universität Philadelphia, jetzt am Georgetown University Medical Center in Washington, den entscheidenden Wirkstoff: Squalamin hat seither mehrfach für Schlagzeilen gesorgt.

Zunächst sollte es Bakterien bekämpfen, es folgten Studien zur Behandlung der Makuladegeneration, die US-Arzneibehörde FDA verzeichnete Squalamin zeitweite auf der Liste der „Orphan drugs“ zur Behandlung des Ovarialkarzinoms. Zugelassen wurde es allerdings nie, wie auch die anderen Projekte offensichtlich im Meersande verlaufen sind.

Jetzt belegt Zasloff eine breite antivirale Wirkung. Schon der Wirkungsmechanismus ist bemerkenswert (oder so archaisch wie die Natur der Haifische): Squalamin soll die elektrostatische Ladung von Membranen in Zellen neutralisieren und auf diese Weise die Replikation sowohl von DNA- als auch von RNA-Viren verhindern.

In der jüngsten Publikation in den Proceedings of the National Academy of Sciences führt Zasloff vor, wie Squalamin in-vitro Dengue- und Hepatitis B-Viren abwehrt und in-vivo Versuchstiere vor Gelbfieber und anderen Viruserkrankungen schützt und dabei Ribavirin in den Schatten stellt.

Gleichzeitig sei das Mittel im höchsten Maße verträglich, wie die zahlreichen klinischen Studien (die in Medline aber nicht zu finden sind, jedenfalls nicht als randomisierte klinische Studien) ja schon gezeigt haben. Das alles ist einfach zu schön, um wahr zu sein.

Ob es diesmal zu klinischen Studien mit einem greifbaren Ergebnis kommen wird? Das Interesse an den Hailmitteln scheint unsterblich zu sein. Die Tiere selbst sind es übrigens nicht. Die Lebenserwartung wird mit 20 bis 30 Jahren angegeben. Woran stirbt eigentlich ein Haifisch? Vermutlich an der nachlassenden Squalamin-Synthese im Alter.



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