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Gesundheit – 20.09.2011

Filmstars animieren Teenager zum Rauchen

Audrey Hepburn tat es in Breakfast at Tiffany’s mit gewisser Eleganz, während Robert De Niro in Goodfellas den kompromisslosen Raucher mimte. Auch im Tatort vom letzten Sonntag zeigte Mechthild Großmann als Staatsanwältin Klemm erneut, woher sie ihre tiefe Stimme hat. Thiel: „Brennt ihr Aschenbecher?“. Rauchen gehört wohl seit den Stummfilmzeiten zum Kino.

Leider wirken die Stars häufig als Vorbild für Teenager, wie jetzt erneut eine Studie aus England zeigt. Die Gruppe um Andrea Waylen von der Universität Bristol hat die Daten der „Children of the 90s“-Studie ausgewertet, einer Gruppe von Jugendlichen der Jahrgänge 1991/1992, die seit der Schwangerschaft ihrer Mutter engmaschig untersucht werden.

Im Alter von 15 Jahren waren sie gefragt worden, welche Spielfilme sie bereits gesehen hatten. Waylen fand eine lineare, sprich dosis-abhängige Assoziation: Je mehr Filme, in denen geraucht wurde, die Teenager gesehen hatten, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass sie es selber schon einmal versucht hatte.

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Die Assoziation war auch dann noch vorhanden, wenn andere mögliche Vorbilder (Eltern, Freunde) bei der Berechnung berücksichtigt wurden. Die relativen Risiken – plus 73 Prozent in der unbereinigten und plus 32 in der adjustierten Analyse – mögen gering erscheinen. Tatsache ist aber, dass die meisten Menschen als Jugendliche mit dem Rauchen beginnen und Erwachsene ein wichtiges Vorbild sind (auch wenn diese meistens nicht mehr freiwillig rauchen).

Ein Rauchverbot in Spielfilmen ist sicherlich unrealistisch und würde von den Filmstudios als Eingriff in die künstlerische Freiheit angesehen. Eine andere Möglichkeit, die sich bei der Darstellung von Sexualität bewährt hat, ist die FSK-Zertifizierung.

Das UK Centre for Tobacco Control Studies jedenfalls hat den British Board of Film Classification (das britischen Pendant zur Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) aufgefordert, alle Filme in denen geraucht wird, mit einer Altersgrenze von 15 Jahren zu versehen.


Leserkommentare

malledoc am Dienstag, 20. September 2011, 20:06
1.4.
Gehts noch?

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