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Vom Arztdasein in Amerika – 16.09.2011

Wie wird man Assistenzarzt in USA?

In den USA hat der Arztberuf traditionell einen hohen Stellenwert. Wenn man „undergraduates“ im ersten Semester befragt, was sie machen wollen, geben manchmal bis zu einem Drittel an, Arzt werden zu wollen. Doch wer dann beginnt, all die Hürden zu durchlaufen, hört manchmal von alleine auf, diesen Karrierepfad zu verfolgen oder wird bei fehlender Eignung oder schlechter Noten auf einem der vielen Stationen auf dem Weg zum Arztsein ausgesiebt. Das ist nicht anders als in anderen Ländern.

In den USA studiert man acht Jahre lang, ehe man als Assistenzarzt arbeiten darf: Vier Jahre als „undergraduate“, an dessen Ende ein Bachelor-Diplom steht, wobei das Fachgebiet früher vor allem eines der klassischen Medizinfächer Biologie oder Chemie war, heutzutage auch Fächer wie Soziologie, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften umfassen darf.

Die Noten müssen natürlich sehr gut sein. Im Laufe des dritten Undergraduatejahres legt man eine Medizinerprüfung, den MCAT, ab und bewirbt sich am Anfang des vierten Undergraduatejahres an diversen medizinischen Fakultäten.

Es werden dort dann eintägige Vorstellungsgespräche durchlaufen, Aufsätze und individuelle Prüfungen abgelegt und am Ende, wenn es klappt, wird man an einer medizinischen Fakultät zum 1. Juli eines bestimmten Jahres angenommen.

 Hiernach beginnt dann das vierjährige Medizinstudium, das zwar im Einzelnen anders als das bundesdeutsche System aufgebaut ist, aber das gleiche Ziel hat: Medizinwissen zu vermitteln. Es beinhaltet viele klinische Rotationen, aber auch einige theoretische, in typischen Vorlesungssälen abgehaltene Kurse.

Gegen Ende des zweiten Studienjahres schreibt man das „United States Medical License Examination Step 1“, USMLE Step 1 und studiert dann, unabhängig wie man abgeschnitten hat, weiter. Im Laufe des dritten Studienjahres schreibt man dann das USMLE Step 2 CK (CK=Clinical Knowledge) und im Verlauf des vierten Jahres wird das mündliche USMLE Step 2 CS (CS=Clinical Skills) mittels simulierter Patientenschauspieler abgelegt.

Hat man all diese Hürden erfolgreich bestanden und die Fachrichtung gewählt, bewirbt man sich via einer zentralen Behörde („National Resident Matching Program,“ NRMP) um eine Stelle als Assistenzarzt an den diversen Weiterbilungsprogrammen. Wie üblich in USA benötigt man Empfehlungsschreiben, muss sogenannte Motivationsschreiben („Wieso wollen Sie Internist werden?“) verfassen und dann diverse Noten und allerlei Dokumente einreichen.

Zwischen Oktober und Januar wird man dann zu eintägigen Auswahlverfahren eingeladen, fliegt dabei durch das Land und muss dort allerlei Vorstellungsgespräche und gelegentlich kleine Prüfungen absolvieren. Im Februar gibt man dann seine Präferenzliste ab, wo man gerne arbeiten möchte und im März erfährt man dann, ob und wo es geklappt hat und wo man ab den 1. Juli als Assistenzarzt arbeiten wird.

Das ist der Weg der in den USA studierten Menschen. Doch was machen jene bedauernswerte Kreaturen, die nicht in USA studiert haben (mich eingeschlossen)? Es gibt auch viele Amerikaner, die nicht an einer medizinischen Fakultät in den USA angenommen wurden und in der Karibik oder Europa studierten, aber zur Ausbildung zurückkehren wollen.

All diese ausländischen Ärzte werden gleich behandelt („Foreign Medical Graduates“, FMG): Sie müssen zunächst ihr Medizinstudium anerkennen lassen, dann die Prüfungen USMLE Step 1, 2 CK und 2 CS ablegen und dann den Bewerbungsprozess wie oben geschildert durchlaufen. Wer dann Glück hat, wird angenommen und darf zur Belohnung 70 bis 80 Wochenstunden die Woche arbeiten.


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