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Vom Arztdasein in Amerika – 13.09.2011

Das elektronische Krankenhaus

Eine große Umstellung für die diversen medizinischen Systeme der Welt war und ist das Umstellen auf elektronische Patientenakten. Logistisch erfordert das neben neuen Verkabelungen, Rechnern, Bildschirmen und Tastaturen neuen Platz für die Rechnereinheiten, eine Vielzahl an Programmen mit entsprechenden Lizenzen, eine eigene, große Informatikabteilung und natürlich Schulungen (fast) aller der in der Institution angestellten Personen.

Nicht umsonst war die erste Woche meiner Ausbildung ausschließlich für die Schulung in unserem EDV-System reserviert.

An meinem Lehrkrankenhaus ist die Umstellung vor knapp sieben Jahren erfolgt und mittlerweile gibt es mehr als 2.000 Rechner, was ein Patienten-zu-Rechner-Verhältnis jenseits des 1:3 darstellt. Wer durch die Gänge wandert, sieht auch allenthalben Rechner, kleine Arbeitsnischen mit Bildschirmen, mobile Laptops auf der Intensivstation und in der Notaufnahme und ein bis zwei Rechner je Patientenzimmer.

Es wird, sieht man von den direkten Patientenkontakten ab, fast ausschließlich elektronisch gearbeitet: Die Patientenbriefe werden entweder getippt oder diktiert, die Pflegedokumentation wird am Bildschirm gemacht, die Vitalparameter sind elektronisch eingespeist, die externen Dokumente sind allesamt als PDF-Dokument eingelesen, die Arztbriefe von den meisten Minnesotapraxen via Mausklick verfügbar, die Medikamentenlisten erscheinen mit „Anordnen“-Knopf aufgelistet usw.

Dazu medizinische Hilfskontrollen: Wenn beispielsweise ein Medikament einer bestimmten Medikamentengruppe angeordnet wird, welches als Allergie beim Patienten eingegeben wurde, erhält eine Warnnachricht, auf die man zu reagieren hat.

Mittels einfachem Klick kann man die Interaktionen all der angeordneten Medikamente vom EDV-Programm überprüfen lassen und wenn es eine schwere Interaktion gibt, wird dieses automatisch kenntlich gemacht (z.B. Qütiapin und Amiodaron – „Achtung: QT-Verlaengerung“). Ein Apothekerprogramm überprüft Dosierungen im Rahmen der Kreatininclearance und bei grobem Unfug wird der Apotheker eingeschaltet.

Es gibt natürlich auch keine Röntgenfilme mehr und die Röntgenlampen hängen verlassen noch an der Wand, wenn sie noch nicht entfernt worden sind. Man gibt Konsilanfragen nur noch elektronisch ein, ärztliche Anweisungen werden entweder geklickt oder eingetippt, die Laborergebnisse werden elektronisch im Sekundentakt aktualisiert und selbst die Laborergebnisse werden dem Patienten, wenn er es will, elektronisch zugesandt.

Statt Piepser tragen die allermeisten Aerzte – auch ich – ein Iphone und einige der Dienste können von daheim aus gemacht werden, da die Patientenakte leicht via Heimrechner zu erreichen ist.

Der größte Haken an dieser Sache: Wenn einmal das EDV-System nicht funktioniert, was etwa einmal im Jahr passiert, herrscht Verwirrung. Wie ordnet man nochmals ärztliche Anweisungen an, wo findet man die Patientenkurve? Doch dafür hat man die EDV-Abteilung, die dann wie ein hyperaktives Kind reagiert und das Chaos zügig wieder in Ordnung verwandelt. Dann hört man im Krankenhaus wieder die Klicks und das Tippen und weiß, dass alles wieder gut ist.


Leserkommentare

Patroklos am Freitag, 16. September 2011, 13:45
Interessant.
Ihre Beschreibung der EDV in einem amerikanischen Krankenhaus finde ich interessant. Ich selbst arbeite in einem Klinkum in Deutschland mit über 6000 Mitarbeitern im IT- Bereich. Vor einigen Jahren wurde auch hier die elektronische Patientenakte eingeführt. Das ist modern und zeitgemäss.
Der Ressourcenhunger der EDV ist allerdings enorm, was dem "american way of life" ja entspricht..
Ein kleines Beispiel:
Ein zentraler Cluster mit zwei Servern für ein Verfahren im Bereich OP- Planung benötigt bei 7x24h- Laufzeit ca. 4000 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht etwa dem Durchschnittsverbrauch eines 4 Personenhaushalts. Hochgerechnet kommt man in einem Klinikum dieser Grössenordnung schnell auf den Verbrauch einer Kleinstadt allein für die EDV.

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