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Dr. werden ist nicht schwer... – 29.08.2011

Der erste Dienst

Nun ist es also so weit: ich muss meinen ersten Dienst im neuen Haus leisten. Die Kollegen haben mir alle Arbeitsplätze gezeigt und mich mit einer Telefonliste für interne und externe Belange versorgt und nun – nach nunmehr drei Wochen an der neuen Wirkungsstätte – bin ich es, der nachts die Stellung halten muss. Jeder hat mir angeboten, dass ich ihn für Rückfragen anrufen darf, vermutlich um das Seelenleben des Hintergrunddienstes nicht gleich in der ersten Nacht zu sehr zu beeinträchtigen.

Während ich also das Telefon so anstarre und hoffe, dass es lieber doch nicht klingelt, gehen mir einige Gedanken zum Thema Dienst durch den Kopf. Unter anderem vergleiche ich mit dem Dienstsystem in der Schweiz, wo ein Kollege sieben Tage in Folge Dienst von nachts bis morgens und in den darauffolgenden sieben Tagen zum Ausgleich frei bekommt.

Irgendwie kommt mir das attraktiver vor. Zumal die Bezahlung nach dem Schlüssel „Bereitschaftszeit zu 90% minus 8 Stunden Freizeitausgleich zu 100% plus Anrechnung der Arbeitszeit für Visite und Übergabe zu jeweils 0%“ gegen Freizeitausgleich nicht ankommt.

Glücklicherweise ist der erste Dienst eher ruhig, der Oberarzt wird nur einmal telefonisch hinzugezogen. Leider müssen die Assistentenkollegen ein wenig öfter meinetwegen ans Telefon. Die Katastrophen des Dienstes beschränken sich eher auf Abläufe. Was muss ich machen wenn…?

Die meisten Einsätze drehen sich um Braunülen auf Station und Wehwehchen, die auch gerne bis zur nächsten Praxisöffnung hätten warten können. Des Nachts kann ich jedoch kaum schlafen, da ich jeden Moment einen schlimmen Anruf erwarte. Dementsprechend bin ich bei der Visite am nächsten Morgen ein wenig zerstreut. Das kleine Lob aus der Übergabe nehme ich noch mit und verdrücke mich zum Ausschlafen.

Hatte sich das schlimmer vorgestellt, 

Euer Anton Pulmonalis


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