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Gesundheit – 17.08.2011

Qualitätsunterschiede in der Darmchirurgie

Die Qualität eines Chirurgen oder besser eines Operationsteams lässt sich schwer messen. Todesfälle sind nach elektiven Eingriffen selten und deshalb nur sehr eingeschränkt in der Lage, jene Kollegen zu orten, denen schwierige Eingriffe aus welchen Gründen auch immer nicht gelingen.

Chirurgen vom Imperial College London haben deshalb die Häufigkeit von Re-Operationen zum Maßstab gewählt. Diese Ereignisse werden in England in der Hospital Episode Statistics erfasst, und die Gruppe um Omar Faiz konnte für Darmoperationen erstaunliche Unterschiede zwischen den einzelnen Teams ermitteln.

In Abteilungen mit mehr als 500 Eingriffen im Jahr lagen die Reoperationsraten nach elektiven Darmoperationen zwischen 2,8 und 14,9 Prozent. Selbst bei ausgewiesenen Abdominalchirurgen-Teams mit mehr als 2.500 Eingriffen im Jahr schwankten die Reoperationsraten noch zwischen 3,7 und 11,5 Prozent. Diese Unterschiede sind zu hoch, um sie auf Patientenfaktoren (wie Komorbidität, Deprivation, männliches Geschlecht oder Diagnose und Lokalisation der Läsion) zurückzuführen.

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Auch der Editorialist Arden Morris, ein Chirurg von der Universität von Michigan in Ann Arbor, sieht einen Bedarf für eine verstärkte Qualitätssicherung in der kolorektalen Chirurgie. Er warnt aber vor Reflexen, wie der Verpflichtung an die einzelnen Teams ihre Reoperarationsraten offen zu legen.

Dies führe nur zu mehr Bürokratie und Zynismus, meint Morris. Es verbessere jedoch nicht die Fähigkeiten der Chirurgen. Erfolgversprechender sind nach Ansicht des Experten Patientenregister, in denen die Chirurgen ihre Ergebnisse untereinander vergleichen und über Verbesserungsmöglichkeiten diskutieren können (ein Beispiel ist hierzulande ist das Patientenregister der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin).

Auch Standardisierungen der Operationstechnik und die selektive Überweisung an spezialisierte Einrichtungen bieten sich an. Als Vorbild nennt Morris das Norwegian Rectal Cancer Project. Es weist seit 1993 Patienten mit Rektalkarzinomen Chirurgen zu, die sich auf die totale mesorektale Exzision spezialisiert haben. Die Rate der Lokalrezidive konnte dadurch deutlich gesenkt werden.


Leserkommentare

polmu am Mittwoch, 17. August 2011, 21:32
Die Thematik kommt mir bekannt vor!
Vor ca 25 Jahren war diese grundsätzliche Problematik Thema (mit etwas anderem Schwerpunkt) meiner Dissertation. Eine Korrelation der Komplikationsraten mit den jeweiligen Operateuren habe ich jedoch nicht offengelegt - das wäre der nächste Schritt gewesen.

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