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Gesundheit – 16.08.2011

Herzinfarkt: Hohe Einsparungen durch Metall-Stents

Berichte über tödliche Spätkomplikationen nach Implantation von mit Medikamenten beschichteten Stents (DES) haben vor vier Jahren zu einer Wende in der perkutanen koronaren Intervention geführt. Dies lässt sich in dem „Evaluation of Drug Eluting Stents and Ischemic Events“ oder EVENT-Register gut nachverfolgen.

Es erfasst für die Jahren 2004 bis 2007 mehr als 10.000 Patienten, die an einer von 55 US-Kliniken einen Stent erhalten haben. In den Jahren 2004 bis 2006 war dies zu 92 Prozent ein DES. Metallstents schienen vielen Kardiologen wegen der schnellen Restenose überholt zu sein. Dann wurde erkannt, dass der DES zwar eine Revaskularisierung verhindert.

Da die DES aber nicht oder nur unvollkommen vom Endothel überwuchert werden, können sich nach dem Absetzen der dualen Antithrombozytentherapie Blutgerinnsel bilden, was einen unter Umständen tödlichen Herzinfarkt zur Folge hat.

Nachdem die Gefahr Ende 2006 erkannt wurde, ging bereits 2007 der Anteil der DES auf 68 Prozent zurück, wie David Cohen vom Saint Luke’s Mid America Heart and Vascular Institute in Kansas City in einer Studie in Circulation zeigt. Das andere Drittel wurde wieder mit Metall-Stents versorgt.

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Der Rückgriff auf die älteren und kostengünstigeren Metall-Stents hat den Patienten nicht geschadet. Die Einjahresüberlebensrate hat sich nicht verschlechtert. Und die Zahl der Revaskularisierungen ist nur geringfügig von 4,1 auf 5,1 Prozent gestiegen. Unter dem Strich wurden pro Patient 401 US-Dollar gespart, hat Cohen ausgerechnet. Bezogen auf das gesamte US-Gesundheitssystem sind dies 400 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Weitere Berechnungen zeigen, dass ein DES bei den Patienten, bei denen jetzt darauf verzichtet wurde, ein Luxuseingriff war. Die Vermeidung einer erneuten Revaskularisierung kostete 27.000 US-Dollar, und die Kosten für ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr (QALY) betrugen 433.000 US-Dollar. Das liegt weit über der Grenze, die beispielsweise in der Krebstherapie als akzeptabel eingestuft wird.


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